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20.03.2020:



H E I B E L - T I C K E R    S T A N D A R D

F I N A N Z I N F O R M A T I O N E N

- Einfach einen Tick besser -



DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5428

15. Jahrgang - Ausgabe 12 (20.03.2020)
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag



I N H A L T

01.Info-Kicker: Globalisierung im Rückwärtsgang: Die Weltwirtschaft hält den Atem an
02.So tickt die Börse: COVID-19: Durchseuchung vs. Ausrottung
 - COVID-19: Mein Ausbreitungsszenarium
 - COVID-19: Vorbeugen, Testen, Behandeln und Impfen
 - Die Zeit danach
 - Wochenperformance der wichtigsten Indizes
03.Sentiment: Geschichte wird geschrieben, wenn nie zuvor erlebte Dinge geschehen
 -
04.Ausblick: Folgen der Coronakrise
05.Wunschanalyse
 - Politische Entscheidung hängt an Stimmung der Bevölkerung
 - Commerzbank als mahnendes Vorbild
 - Anti-Globalisierung
 - Kurseinbruch nicht schnell aufholbar
 - Fazit
06.Optionsscheinwahnsinn
07.Update beobachteter Werte
 Unter den Möglichkeiten
 Cloud-Wachstum
 Prognose gestrichen
 Märkte funktionieren nicht mehr richtig
 Randgold CEO repariert Barrick Gold
 Online-HV ermöglicht Dividendenzahlung
 Schwache Zahlen, Umbruch
 Muckelig
 Ölpreiseinbruch und Verkehrsstopp belasten
 Performance für muckeliges zu Hause
 Dezentrale IT-Administration
 Verkaufslimit von 9 EUR beachten
 10% Dividendenrendite zugesagt, Verkauft über Läden jedoch betroffen
 Höhere Dividende aber konjunktursensitiv
 Ölpreiseinbruch, Automobilbranche und Industrie belasten
 Krisen sind die Prämien von morgen
 Absatz und Lieferkette betroffen
 Dividende gestrichen
 Goldanteil bei nächster Gelegenheit hochfahren, Ziel 15%
 Zahlung gesichert
 Variabler Zins ist beruhigend
08.Übersicht HT-Portfolio
09.Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise
10.An-/Ab-/Ummeldung



01. Info-Kicker: Globalisierung im Rückwärtsgang: Die Weltwirtschaft hält den Atem an

Liebe Börsenfreunde,

Mit dem Durchrutschen des DAX unter 10.200 Punkte vor einer Woche wurde offensichtlich, dass das Coronavirus keine vorübergehende Beeinträchtigung unserer Lebensgewohnheiten bedeuten würde, sondern viele Lebensgewohnheiten verändern wird. Ich habe mir diese Woche die Zeit genommen, verschiedene Szenarien der weiteren Krisenentwicklung zu untersuchen und stelle Ihnen in Kapitel 02 das von mir mit der größten Eintrittswahrscheinlichkeit versehene Szenario vor.

Auch wenn Szenarien nicht eintreten, haben sie dennoch einen großen Vorteil: Solange sich die Ereignisse entlang des Szenarios entwickeln, können wir an der heute ausgearbeiteten Strategie festhalten. Wenn die Ereignisse von meinem Szenario abweichen, dann erkennen wir dies frühzeitig und können schnell analysieren, was genau anders läuft. So ist es dann möglich, unsere Strategie gezielt an die Veränderungen anzupassen.

Wer kein Szenario hat, stochert im Ungewissen ziellos herum. Mit der heutigen Ausgabe möchte ich uns ein Szenario an die Hand geben und leite daraus meine Strategie für die kommenden Wochen und Monate ab. Das gilt dann so lange, bis sich was ändert ;-).

Es gibt eine ganze Reihe von Unternehmen aus dem Gesundheitsbereich, die sich mit COVID-19 beschäftigen: Test Kits, Schutzartikel, Behandlungen und Impfstoffe werden produziert und erforscht. Ein Blick auf die entsprechenden Unternehmen zeigt jedoch schnell, dass die Aktien dieser Unternehmen auch im Erfolgsfall nicht unbedingt durch die Decke gehen müssen.

Doch nicht nur in der Gesundheitsbranche sind Unternehmen zu finden, die von der aktuellen Situation profitieren könnten, sondern auch in anderen Bereichen, wie ich ebenfalls in Kapitel 02 aufzeige.

Das Anlegersentiment macht mir Sorgen: Zwar deutet alles auf eine baldige Gegenbewegung hin, doch für einen nachhaltigen Boden ist noch immer zu viel Optimismus im Markt vorhanden. Die Einzelheiten dazu lesen Sie in Kapitel 03.

In Kapitel 04 habe ich das Szenario aus Kapitel 02 weitergeführt: Die Coronakrise wird die Schwächen unserer Gesellschaft enthüllen. Die Folgen daraus werden uns noch Monate, vielleicht Jahre beschäftigen. Es ist eine Zäsur: Aktien, die vor drei Wochen noch als sicher und solide galten, stehen heute am Abgrund: die Lufthansa und TUI haben ihren Geschäftsbetrieb bspw. weitgehend eingestellt. Der Heimarbeitsplatz bringt eine Reihe von Unternehmen ans Tageslicht, deren Dienste bislang nur für einige wenige attraktiv waren.

Die Lufthansa wurde im Rahmen der Wunschanalyse gewünscht. Doch die Analyse kann diesmal recht kurz ausfallen: Es geht im Wesentlichen derzeit bei der Lufthansa-Aktie nur darum abzuschätzen, wie viel Geld die Regierung der Lufthansa schenkt und wie viele Anteile der Bund im Gegenzug haben möchte. Die Entscheidung darüber hängt von der Stimmung in der Bevölkerung ab. Und das kann man derzeit schwer abschätzen. Der Ausverkauf der vergangenen Wochen hat bessere Schnäppchen zu Tage gebracht als die Lufthansa. Alles Weitere dazu lesen Sie in Kapitel 05.

Ich werde immer wieder nach Optionsscheinen gefragt: Mit Puts hätte man in den vergangenen Wochen doch reich werden können, oder? Und mit Calls könnte man an einer Gegenbewegung, die doch heftig ausfallen sollte, profitieren, oder? In Kapitel 06 erkläre ich Ihnen, warum diese Erwartungen falsch sind.

Die Coronakrise kommt einer Zäsur unserer Wirtschaft gleich. Ich habe aus diesem Grund heute in Kapitel 07 alle 21 Portfoliotitel einzeln betrachtet und vor dem Hintergrund der neuen Situation neu eingeschätzt. In der ersten Ausverkaufswelle kamen wir mit einem blauen Auge davon, doch die zweite Welle hat dann auch uns getroffen. Immerhin ist unser Minus nur halb so groß wie das des DAX, doch das ist ein schwacher Trost. Für die kommenden Wochen und Monate werden wir konsequent diejenigen Titel aus dem Portfolio entfernen, die unter der Krise leiden könnten. Und wir werden konsequent auf die Titel setzen, die in der Welt danach, wie sie sich für mich derzeit darstellt, profitieren könnten.

Die tabellarische Übersicht über unser Portfolio finden Sie in Kapitel 08. Ich habe heute eine Spalte "C19" angehängt, in der ich meine neue Einschätzung zum jeweiligen Portfoliowert abgebe: Ist die Coronakrise für den wert egal oder gar vorteilhaft, dann sehen Sie dort ein "+". Ist die Coronakrise nachteilig, dann ist dort ein "-" zu sehen. Eine "0" heißt, dass die Auswirkungen nicht nicht absehbar sind, muss also noch beobachtet werden. Alles mit einem "-" wird in die nächste Erholung hinein verkauft. Zum Glück sind das nur 4 Titel.

Die heutige Ausgabe ist die längste, die ich in den bisher 22 Jahren meiner Tätigkeit als Börsenschreibel erstellt habe. Ich habe in den vergangenen Tagen daran gearbeitet und denke, dass die meisten Dinge aktuell sind. Bei der Geschwindigkeit, mit der sich die Krise derzeit entwickelt, kann es aber sein, dass hier oder da mal was überholt ist - ich bitte um Entschuldigung.

Ziel der heutigen, überaus umfangreichen Ausgabe ist es, die nächsten Beiträge wieder kurz verfassen zu können, da wir alle den gleichen Wissensstand haben.

Da mich viele besorgte Leser danach gefragt haben: Meiner Familie und mir geht es gut, wir fühlen uns bislang zu Hause pudelwohl :-) und wir haben das Glück, von engagierten Lehrern ordentliches Lehrmaterial für unsere Kinder erhalten zu haben. Meine Frau muss als Ärztin allerdings arbeiten und bekommt den Mangel an Atemschutzmasken aus erster Hand mit.

Bleiben Sie gesund.

Die PDF-Version dieser Ausgabe steht Ihnen ab sofort im Archiv sowie unter dem folgenden Link zur Verfügung: http://www.heibel-ticker.de/downloads/hts200322.pdf

Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,

take share, Ihr
Börsenschreibel

Stephan Heibel

Chefredakteur und
Herausgeber des
Heibel-Ticker




02. So tickt die Börse: COVID-19: Durchseuchung vs. Ausrottung

In dem Chaos der vergangenen Wochen versucht wohl jeder, sich ein Bild über die Entwicklungen zu machen, um besser abschätzen zu können, was noch kommen wird. Wenn wir uns über eine sinnvolle Anlagestrategie unterhalten, müssen wir zuvor unsere Erwartungen bezüglich der Coronakrise abgleichen.

COVID-19: MEIN AUSBREITUNGSSZENARIUM

Ich habe nun viele Tage damit verbracht, ein verlässliches Modell zu entwickeln, das die weitere Ausbreitung der Infizierten, der Intensivbetreuten, der Opfer etc. in Deutschland veranschaulicht. Ziel war es abzuschätzen, wie hoch der Ansteckungsfaktor sein darf, damit die Intensivbetten in Deutschland ausreichen.

Denn das Ziel, so höre ich es immer wieder, ist die Durchseuchung der Bevölkerung. Um eine beabsichtigte Herdenimmunität zu erreichen, reicht es, wenn x% infiziert wurden. Das x ist jedoch nicht so einfach zu bestimmen: Ich lese 60% oder 70%, in Österreich habe ich von 20% gelesen. Je nachdem, wie ansteckend das Coronavirus ist, bemisst sich die die erforderliche Durchseuchung.

Wenn wir den Virus ungebremst wüten lassen, sind meinen Berechnungen zufolge spätestens Mitte April alle Intensivbetten in Deutschland belegt. Mediziner müssten dann entscheiden, wer aufgenommen wird, und wer sterben muss. Das ist ethisch nicht machbar, daher werden in diesen Tagen Quarantänemaßnahmen ausgerollt, um die Ausbreitungsgeschwindigkeit zu drosseln.

Ich habe dann versucht abzuschätzen, wie lange wir brauchen würden, um bei auf die Anzahl der verfügbaren Intensivbetten gedrosselten Ausbreitungsgeschwindigkeit die Bevölkerung zu durchseuchen. Dazu müssen wir wissen, wie viele Intensivbetten verfügbar sind (30.000?), wie viele Infizierte Intensivbetreuung benötigen (5%), wie lange die Intensivbetreuung ist (2 Wochen?), und und und ... jede Menge Annahmen über Dinge, von denen ich keine Ahnung habe. Mit meinen optimistischen Annahmen (siehe oben) würden wir jedoch schon 80 Wochen, als über ein Jahr benötigen.

So lange können wir die Einschränkung im öffentlichen Leben nicht in Kauf nehmen.

Also gehe ich derzeit davon aus, dass die Bundesregierung von dem Vorhaben, die Bevölkerung zu durchseuchen, Abstand genommen hat. Die Alternative ist das Gegenteil: Das Coronavirus ausrotten.

Da wir gesehen haben, wie ansteckend das Coronavirus ist, gelingt eine Ausrottung des Coronavirus nur mit drakonischen Maßnahmen: Kontinuierliches Screenings, also unendlich viele Tests. Sofortiges und konsequentes Handeln, wenn ein Infizierter identifiziert ist. Dazu muss man alle Kontakte, die er hatte, in Quarantäne schicken. Wir haben gesehen, dass uns dies nicht gelungen ist. Außerdem müssten die Grenzen für diese 80 Wochen dicht bleiben, Einreise ginge nur dann, wenn jeder Einreisende zunächst 2 Wochen in Quarantäne ginge.

In China haben sich 80.000 Menschen infiziert, es leben dort jedoch 1,5 Mrd. Menschen. Gerade mal ein halbes Prozent der Chinesen ist also immun, von einer Durchsuchung mit dem Ziel der Herdenimmunität kann also nicht die Rede sein.

Wer nach China einreisen möchte, muss sich 2 Wochen in Quarantäne begeben. Seit jeher wird stark kritisiert, dass die eine chinesische Partei zu stark in das Privatleben der Bevölkerung eingreift, so ist der Datenschutz dort quasi nicht gegeben. Das zahlt sich nun aus, denn in China werden alle Kontakte derer, die mit dem Virus infiziert sind, anhand der Bewegungsdaten des Handys nachvollzogen. Das System wird nun aufgebaut.

In Taiwan gibt es dieses System schon und Taiwan hat den Coronavirus sehr schnell in den Griff bekommen.

Nicht zufällig geisterte die Meldung durch die deutschen Medien, dass unser Robert-Koch-Institut Zugriff auf die (anonymisierten) Bewegungsdaten aller Handynutzer erhalten hat.

Anhand der wenigen Informationen, die mir vorliegen, komme ich zu dem Schluss, dass wir uns also auch in Deutschland in die Richtung bewegen, den Coronavirus auszurotten, auch wenn dies starke Eingriffe in die persönlichen Daten der Bevölkerung mit sich bringt. Die heutige Meldung, dass man sich den morgigen Samstag anschauen wird, wie die Bevölkerung die Einschränkungen umsetzt, die bereits ausgegeben wurden, kann ich daher nur dahingehend interpretieren, dass wir am Sonntag auch in Deutschland vollständig unter Quarantäne gestellt werden.

...oder glauben Sie, die Bundesregierung macht die Einführung einer Quarantäne von ein paar Jugendlichen abhängig, die durch die Straßen skandieren? Das kann ich mir nicht vorstellen. Vielmehr wird die Bevölkerung meinem Eindruck nach konsequent und schrittweise auf die Quarantäne vorbereitet.

Wie lange die Quarantäne verhängt wird? Keine Ahnung. Wuhan in China brauchte 6 Wochen.

COVID-19: VORBEUGEN, TESTEN, BEHANDELN UND IMPFEN

Niemand möchte sich vorstellen, dass wir mit den derzeitigen Einschränkungen über ein Jahr, geschweige denn mehrere Monate leben müssen. Es wird also auf allen Ebenen nach Lösungen gesucht.

Drägerwerk produziert Atemschutzmasken, mit denen diejenigen, die eine systemrelevante Aufgabe haben, ihrem Job nachgehen können, ohne andere anzustecken. BASF möchte Desinfektionslösungen herstellen. Viele Schnapsbrennereien wurden von der Bundesregierung aufgefordert zu prüfen, ob man statt Schnaps nicht vorübergehend Desinfektionslösungen produzieren könne. Es wird noch unzählige andere Unternehmen geben, die jetzt gefragt sind. OB sich daraus jedoch ein gutes Geschäft ergibt, muss man im Einzelfall bewerten. Für BASF jedenfalls wird die Produktion von Desinfektionsmitteln nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein gegenüber dem Nachfrageausfall von Automobilproduzenten und Industrie.

Testkits werden zunehmend wichtig, denn es wird helfen, wenn wir wissen, wer infiziert, wer gesund und wer vielleicht schon immun ist. Menschen, die schon immun sind, können ihre Arbeit wieder aufnehmen. Sie sind ja auch nicht mehr ansteckend. Doch um hier eine verlässliche Aussage zu treffen, muss nicht nur die gesamte Bevölkerung getestet werden, sondern wiederholt getestet werden.

Qiagen, Abbott und Roche bieten solche Testkits an. Qiagen wird jedoch von der US-Firma Thermo-Fisher übernommen, die Aktie bewegt sich also kaum. Für Roche wird ein solches Testkit bei einem Jahresgewinn von 26 Mrd. CHF nicht sonderlich ins Gewicht fallen, selbst wenn die ganze Bevölkerung getestet würde.

Zum Thema Behandeln und Impfen hat diese Woche BB Bellvue eine sehr interessante Online-Präsentation gehalten. Dort werden die verschiedenen Ansätze aufgezeigt und im Rahmen eines Vortrags ab Minute 19 gut erklärt:
https://www.youtube.com/watch?v=fg3qpqKU5gs

Bellevue
Abbildung 1: Verschiedene Ansätze zur Bekämpfung von COVID-19

Quelle: https://www.bellevue.ch/de/asset-management/coronavirus-update/

Es gibt verschiedene Ansätze. Für eine aktive Immunisierung mit einem Impfstoff rechnen Experten derzeit mit einer Dauer von über 18 Monaten, bis wir soweit seien könnten. Die etablierten Pharmakonzerne Johnson & Johnson, Merck und Sanofi forschen in dieser Richtung.

Biotech-Unternehmen wollen schneller sein als die alten Pharma-Konzerne. Die US-Firma Moderna forscht derzeit erfolgsversprechend nach einem Impfstoff, wie auch CureVac, die in den vergangenen Tagen ins Gespräch kam, weil US-Präsident Donald Trump Gerüchten zufolge Interesse angemeldet hatte. BioNTec forscht gemeinsam mit Pfizer nach einem Impfstoff. Immer wieder lese ich Berichte über diese Forschungsansätze, in denen eine deutliche Verkürzung der Einführungszeit in Aussicht gestellt wird. Teilweise ist sogar von diesem Herbst die Rede, statt erst im Herbst 2021. Das wäre ein großer Erfolg.

Neben dem neu zu entwickelnden Impfstoff gibt es einen zweiten Ansatz, der sich an den bereits immunisierten Personen orientiert. Aus deren monoklonalen Antikörpern möchte man einen Wirkstoff herausfiltern, der ebenfalls immunisiert. Dadurch möchte man die Zeit bis zum möglichen Einsatz auf 12 Monte verkürzen. Regeneron (hat ein entsprechendes Mittel gegen Ebola gefunden) und Wuxi forschen in dieser Richtung, aber auch die japanische Takeda und erneut Johnson & Johnson.

Da das alles jedoch zu lange dauert für die augenblickliche Situation, wird parallel auch nach Behandlungsmethoden geforscht. Die Bundesregierung hat Drägerwerk gebeten, die Produktion von Beatmungsgeräten in Lübeck hochzufahren, um so schnell wie möglich 10.000 zusätzliche Geräte zu bekommen. Das ist der Grund für den Kurssprung der Drägerwerk-Aktie.

COVID-19 ist ein Virus, entsprechend versucht man erfolgreiche Behandlungsmethoden von anderen Viren auf COVID-19 anzupassen. Gilead wird ein erfolgsversprechender Ansatz nachgesagt, das Unternehmen testet bereits in China. Alnylam und Abbvie werden ebenfalls immer wieder als aussichtsreich genannt, wobei Abbvie in den vergangenen Tagen wohl aus dem Rennen geflogen ist - der Ansatz wurde nicht weiter verfolgt.

Die erfolgreiche Bekämpfung der Viren kostet Schätzungen zufolge 6 Monate Zeit. Schneller geht natürlich die Behandlung der Symptome. Da der Coronavirus auf das Immunsystem schlägt, versucht man das Immunsystem zu stärken. Roche sowie Regeneron mit Sanofi wird hier eine gute Chance eingeräumt. Behandlungen sollen in 3 Monaten verfügbar sein. Doch Behandlungen heilen nicht, mildern nur den Krankheitsverlauf und können die Opferzahl bestenfalls ein wenig reduzieren.

In dieser groben Auflistung sind sicherlich auch Ansätze, die von jedem Fachmann sofort als aussichtslos abgetan werden. Daher ist es gefährlich, in diese Aktien zu investieren, ohne ein wenig mehr über die Erfolgschancen zu wissen. Im Biotech-Bereich bleibe ich meinem Ansatz treu und behalte die Aktie im Portfolio, die wir schon seit langem zur Diversifizierung des Biotech-Risikos nutzen. Einzig Drägerwerk finde ich derzeit interessant, denn es ist eines der wenigen Unternehmen, die in Deutschland produzieren können. Und genau das ist seit kurzem oberste Priorität des Krisenstabes: Unabhängigkeit des Gesundheitssystems von der Globalisierung.

DIE ZEIT DANACH

Für die Zeit danach müssen Sie sich einfach heute mal die Monatsperformance der Einzelwerte in den verschiedenen Indizes anschauen:

Im DAX führen Beiersdorf (-16%), Fresenius Medical Care FMC (-22%) und Vonovia (-24%). Beiersdorf produziert Dinge des täglichen Lebens, die wir auch benötigen, wenn wir zu Hause bleiben. FMC ist als größtes Medizintechnik-Unternehmen gefragt, wobei mir bislang kein direkter Zusammenhang mit dem Coronavirus/ Beatmungsgeräte bekannt ist. Und die Immobilienbranche profitiert, weil das traute Heim wichtiger wird und die EZB erneut die Geldschleusen geöffnet hat.

Am Ende der Liste steht MTU Aero (-54%), deren Triebwerke nicht mehr abgenommen werden, weil Flieger am Boden bleiben. TUI hat den Geschäftsbetrieb weitgehend eingestellt, die Deutsche Lufthansa fliegt nur noch zu 5%. Vorletzter ist Continental (-52%), die auch ohne den Absatzeinbruch auf dem Automobilmarkt schon in den Seilen hingen. Sodann kommt HeidelbergCement (-51%).

Im MDAX führt Qiagen (+4%) - oh Wunder - die Liste an, gefolgt von TeamViewer (-6%) und Siemens Healthineers (-15%). Insbesondere Teamviewer wird meiner Einschätzung nach langfristig von diesem Ereignis profitieren, da die arbeitende Bevölkerung in diesen Tagen lernt, wie schön es sein kann, von zu Hause aus zu arbeiten - ich weiß, wovon ich spreche.

Am Ende der MDAX-Liste steht ThyssenKrupp (-65%), deren Stahl von der Autoindustrie nicht mehr benötigt wird, Hochtief (-60%), die genau wie HeidelbergCement ihre Baustellen dicht gemacht haben, und Airbus (-59%). Airbus teilt das Schicksal von MTU.

Der SDAX wird von einem meiner Lieblingswerte angeführt: Zooplus (+18%). Die Aktie war zwischenzeitlich auf 65 Euro geprügelt worden, um vier Tagen wieder zurück auf 110 Euro zu springen. Wir hatten unsere Position knapp unter 100 Euro rechtzeitig versilbert, sodann aber den Rückkauf nicht schnell genug geschafft. Schade. Tierbedarf wird nicht mehr im Fressnapf gekauft, sondern online über Zooplus bestellt.

An Position 2 ist Drägerwerk (+17%), wie oben besprochen, gefolgt von der ShopApotheke (+5%), die Medikamente versendet.

Leidtragende des Chaos sind Sixt (-63%), leider auch einer unserer Portfoliowerte, sowie Ceconomy (-63%), deren Saturn und Media Märkte geschlossen wurden.

Anhand dieser Liste können Sie sich nun aussuchen, ob sie den am stärksten niedergeprügelten Aktien die besten Erholungschancen geben möchten, oder aber auf die Geschäftsmodelle setzen, die sich durch die Krise nachhaltig zum positiven verändert haben. Ich würde mich auf die Aktien der Zukunft konzentrieren und nicht mit denjenigen zocken, die zu Recht unter die Räder gekommen sind.


13.3.
Deutsche Lufthansa AG: Der Vorstand beschließt Vorschlag zur Aussetzung der Dividendenzahlung und weitere Maßnahmen zur Begrenzung der finanziellen Auswirkungen der Coronakrise

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES


INDIZES19.3.20Woche ΔΣ '20 Δ
Dow Jones19.174 -9,6%-33,1%
DAX8.929 -5,5%-32,6%
Nikkei16.553 -5,0%-30,0%
Shanghai A 2.877 -4,9%-9,7%
Euro/US-Dollar1,07-4,6%-4,7%
Euro/Yen118,590,1%-3,0%
10-Jahres-US-Anleihe0,94%0,09-1,00
Umlaufrendite Dt-0,32%0,51-0,09
Feinunze Gold$1.488 -6,2%-1,6%
Fass Brent Öl$27,27 -22,3%-60,4%
Kupfer4.810 -15,5%-22,5%
Baltic Dry Shipping630 5,2%-42,2%
Bitcoin6.212 -31,7%-14,8%



Bei -30% pendeln sich zu diesem Wochenende sämtliche Indizes im Vergleich zum Jahresbeginn ein: Dow Jones, DAX und Nikkei. Lediglich in China begnügt man sich mit einem ?staatsbefohlenen? -10%. Wird es China gelingen, das Coronavirus auszurotten? Zumindest ist uns China einen großen Schritt voraus.

Der Wechselkurs hat in den vergangenen Wochen eine Achterbahnfahrt vollzogen: Von 1,07 USD/EUR Ende Februar ging's flugs nach oben bis 1,15 USD/EUR vor 10 Tagen. Die Aussicht auf eine Nullzinspolitik in den USA, genau wie in Europa, trieb den Euro an. Nach der Gewissheit, nach der entsprechenden Zinssenkung durch die Fed, wurden Gewinne mitgenommen und inzwischen ist der Euro sogar wieder unter das Niveau von vor der Krise gefallen. Der Grund: In Krisen gilt der US-Dollar als sicherer Hafen.

An den Zinsmärkten wurde die Krise besonders heftig gespielt: Bei Aufziehen der Krise flüchtete das Kapital in die Zinsmärkte, die Zinsen fielen auf neue Rekordtiefs. Mit den Zusagen der Notenbanken, alles aufzukaufen, was es gibt, wird es Unternehmen und Staaten ermöglicht, sich quasi unendlich hoch zu verschulden, um Insolvenzen zu vermeiden. Das hat die Märkte beruhigt, der Run auf die Anleihen ebbte ab und die Zinsen begannen wieder leicht zu steigen.

Gold ist, wie in dieser Ausgabe an verschiedenen Stellen aufgezeigt, eine Cashreserve für Spekulanten. Wenn Spekulanten mehr Sicherheiten liefern müssen, verkaufen sie ihr Gold. Im Rahmen des Crashs wurden Sicherheiten nachverlangt und so wurde die Cashreserve angezapft, der Goldpreis fiel, obwohl sich in Deutschland vor den Geschäften der Edelmetallhändler lange Schlangen bildeten. In meinen Augen haben uns Spekulanten eine gute Gelegenheit geliefert, unser Vermögen mit ein wenig Gold besser abzusichern.

Der Streit zwischen Russland und Saudi Arabien geht weiter, heute Abend ist der Ölpreis erstmals seit ... seit ... ich finde keine Info, wann der Ölpreis zuletzt unter 20 USD/Fass stand. Ist ewig her.

Mit einem Ölpreis unter 20 USD/Fass ist auch die US-Ölindustrie nicht überlebensfähig: Fracking ist teuer. Die USA sind in den vergangenen Jahren nur deswegen unabhängig geworden, weil der Ölpreis hoch genug für Fracking stand. Wenn die OPEC zerfällt, wie es derzeit den Anschein hat, wird die US-Ölindustrie in die Knie gehen.

In Kapitel 04 beschreibe ich die Folgen der Coronakrise: Wir werden eine neue Welt erhalten, vieles wird sich ändern. Wenn ich mir den Ölstreit anschaue, fallen mir noch ganz andere Änderungen ein. Aber das würde heute zu weit führen. Es bleibt dabei, dass die Coronakrise bleibende Änderungen nach sich ziehen wird, auf die wir uns einstellen müssen. Der Ölstreit? Der fängt ja gerade erst an. Da mache ich mir später Gedanken drüber.

Schauen wir mal, wie sich die Stimmung unter den Anlegern entwickelt hat.




03. Sentiment: Geschichte wird geschrieben, wenn nie zuvor erlebte Dinge geschehen

Der DAX hat seit vergangenem Freitag 3% abgegeben. Das ist verhältnismäßig wenig, wenn wir uns die Vorwochen und insbesondere auch den in der nun abgelaufenen Woche erreichten Tiefstand anschauen.

Die Stimmung unter den Anlegern ist entsprechend von den Extremwerten zurückgekommen: Mit -5,3 ist die Depression nicht mehr so dramatisch wie in den drei Vorwochen (-7,0 bis -8,3). Auch die Verunsicherung geht nach Extremwerten von -12,3 zurück, aktuell auf -6,5.

Historisch gesehen sind das noch immer Extremwerte, doch im Vergleich zum Chaos der drei vergangenen Wochen nimmt das Extrem ab.

Auf der anderen Seite halten Anleger an ihrem Zukunftsoptimismus fest (+3,1). Zuletzt war im Herbst 2018 ein ähnlich starker Optimismus zu verzeichnen, es folgte der Ausverkauf zum Jahresende, der schließlich im Chaos-Dezember 2018 gipfelte.

Auch die Investitionsbereitschaft steigt weiter an: Nie zuvor wurde ein Wert von 5,7 erreicht. Anleger sind erpicht darauf, die (vermeintlich?) günstigen Kurse zum Kauf zu nutzen.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger zeigt dementsprechend auch schon wieder eine recht starke Long-Positionierung an. Die Profis, die sich über die Eurex absichern, halten sich hingegen zurück. Das Put/Call-Verhältnis ist derzeit neutral.

In den USA ist man da nicht so optimistisch, das Put/Call-Verhältnis der CBOE ist kräftig angesprungen und zeigt das gestiegene Bedürfnis der Anleger nach Put-Absicherungen an.

Die Investitionsquote der US-Fondsmanager ist vom historischen Tief der Vorwoche bei 16% in dieser Woche noch weiter auf nur noch 11% abgesunken.

Das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger zeigt mit einem Wert von -17 einen starken Bärenüberhang auf.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 ist mit einem Wert von 8 weiterhin im Bereich der extremen Angst. der S&P Short Range Oscillator hat im Wochenverlauf einen Wert von -24 erreicht. Damit wurde der bisherige Negativ-Rekord aus dem Jahr 1987 (Oktobercrash durch automatische Stopp Loss Orders) unterschritten.

Interpretation



Geschichte wird genau dann geschrieben, wenn nie zuvor erlebte Dinge geschehen. Dazu zählen derzeit auch die Sentiment-Werte, die schon seit Wochen Extremwerte anzeigen. Lässt sich daraus nun ableiten, dass heute eine Gegenbewegung an den Börsen starten muss? Leider nein.

Doch die Wahrscheinlichkeit ist aus technischer Sicht sehr groß, dass wir nach dem brutalen Ausverkauf der vergangenen Wochen nun eine Gegenbewegung erleben werden. Und an den Aktienmärkten handeln wir häufig Wahrscheinlichkeiten, andernfalls wären wir Hellseher.

Auch unser 5-Wochendurchschnitt des Sentiments, der uns seit 2006 verlässliche Signale liefert, hat nun einen Extrempunkt erreicht:

5-Wochendurchschnitt-aX
Abbildung 2: 5-Wochendurchschnitt des Anlegersentiments von Animus


Wir sollten daraus ableiten, dass es zum Verkaufen nun allemal zu spät ist. Zumindest eine Gegenbewegung sollten wir abwarten, um uns von unliebsamen Titeln im Portfolio zu verabschieden. Vielleicht hat die Gegenbewegung ja schon am heutigen Freitag begonnen.










04. Ausblick: Folgen der Coronakrise

Der Ausblick bleibt den zahlenden Abonnenten des Heibel-Ticker PLUS vorbehalten. Bitte haben Sie Verständnis dafür, aber ohne eine kleine Einnahmequelle kann ich diesen Dienst nicht aufrecht erhalten.

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05. Wunschanalyse

Eine Bilanzanalyse macht in diesesn Krisentagen keinen Sinn: Entscheidend für eine Investmententscheidung ist die Abschätzung des Verhaltens der Politik. Entsprechend habe ich die heutige Wunschanalyse schwerpunktmäßig auf dieses Thema abgestellt. Ich denke, bevor ich über politische Enthsciedungen spekuliere, schaue ich mir lieber eine der vielen Aktien an, die in den vergangenen Tagen zu UNrecht ausverkauft wurde.

Die Deutsche Lufthansa stellt anlässlich der Coronakrise ihren Flugbetrieb weitgehend ein. Es werden noch ein paar Urlauber zurück nach Deutschland geholt, einige wenige notwendige Linienflüge werden noch aufrecht erhalten, aber das sind dann nach Aussage von CEO Carsten Spohr nur noch 5% der normalerweise betriebenen Flüge. 700 der 763 Lufthansa-Flieger bleiben am Boden.

Auf eine solche Krise war die Deutsche Lufthansa nicht vorbereitet und ohne die Zusage der Bundesregierung, Lufthansa als systemrelevanten Dienstleister am Leben zu halten, würde die Lufthansa nun mit der Insolvenz flirten.

In dieser Situation ist es in meinen Augen nur eine Frage der Politik: Wird man die Deutsche Lufthansa verstaatlichen, oder schenkt man ihr das Geld, das sie in diesen Tagen benötigt? Oder etwas differenzierter ausgedrückt: Wie viel darf man der Lufthansa schenken und wie viele Anteile an der Lufthansa darf der Bund für seine Rettung einfordern?

Was soll ich mir da die Bilanz der Lufthansa anschauen, was bringt die Dividendenrendite einer nicht ausbezahlten Dividende? Was soll ich mit einem KGV von 2 anfangen, wenn über die Zukunft in der Politik entschieden wird?

POLITISCHE ENTSCHEIDUNG HÄNGT AN STIMMUNG DER BEVÖLKERUNG

Die Politik wird das tun, was das Volk von ihr erwartet. Ich kann das derzeit noch nicht absehen, ob das Volk eine verstaatlichte Lufthansa sehen möchte, oder bereit ist, dem Konzern Geld zu schenken. Vermutlich wird es eine Mischung geben, wie oben beschrieben. Ein Teil an Direkthilfen und ein anderer Teil gegen eine Beteiligung.

Lufthansa selbst geht selbstbewusst davon aus, länger durchzuhalten als die anderen. Das erinnert mich an die beiden Wanderer in Kanada. Der eine kommt mit Wanderschuhen, der andere mit Turnschuhen. Fragt der eine, was willst Du mit Turnschuhen in den Bergen wandern? Sagt der andere: Ich kann damit vor Grizzli-Bären weglaufen. Sagt der eine wieder: Aber selbst mit Turnschuhen bist Du nicht schneller als ein Bär. Sagt der eine: Das nicht, aber ich bin dann schneller als Du.

COMMERZBANK ALS MAHNENDES VORBILD

Im Rahmen der Finanzkrise hat sich der Staat an der Commerzbank beteiligt. Bis heute hält der Bund noch 15% an der Commerzbank und wartet auf Kurse, die einen Ausstieg mit einem vertretbaren Verlust ermöglichen – doch bislang hat die Aktie dem Bund diesen Gefallen nicht getan.

Diese Erfahrung im Hinterkopf wird die Bevölkerung wohl eher gewillt sein, höhere Direkthilfen zu akzeptieren als den Bund mit einer Stimmenmehrheit in den Aufsichtsrat zu schicken.

Immerhin hat sich auch Großinvestor und Unternehmer Heinz Hermann Thiele aus München eine Meinung gebildet. Er hat seinen Anteil an Lufthansa von 5 auf 10% erhöht. Auch er geht also davon aus, dass der Bund den Großteil der Hilfe verschenkt und nur einen symbolischen Anteil an der Lufthansa einfordert.

ANTI-GLOBALISIERUNG

Ich fürchte, eine Erfahrung aus der Coronakrise wird sein, dass die Globalisierung ein wenig zurück gedreht wird. Die Geschäftsreisen werden seltener, Videokonferenzen werden stärker genutzt. Urlaube werden zweimal durchdacht, vielleicht tut es künftig auch eine Reise in die nähere Umgebung. Die Luftverkehrszahlen aus dem Jahr 2019 werden meiner Einschätzung nach in den kommenden Jahren erst einmal unerreicht bleiben.

Entsprechend ist also auch nicht zu erwarten, dass die Lufthansa nach einem kleinen Schluckauf durch die Coronakrise schon bald wieder auf ihr ursprüngliches Geschäfts- und damit auch Aktienkursniveau zurückkehren wird. Vielmehr wird man den Konzern schmerzhaft an die geschrumpften Märkte anpassen müssen.

KURSEINBRUCH NICHT SCHNELL AUFHOLBAR

Die Aktie ist von 15 Euro Ende Februar auf nunmehr 9 Euro um 40% eingebrochen. Doch schon Ende Februar war die Lufthansa aufgrund der Überkapazitäten im europäischen Luftraum nur ein Schatten ihrer selbst: Anfang 2018 stand die Aktie noch über 30 Euro.

37 Mrd. Euro Jahresumsatz führten 2019 zu einem Gewinn (EBITDA) von 4,7 Mrd. Euro. Nach Steuern und anderen Effekten blieben noch 2 Mrd. Euro übrig. Bei einem aktuellen Marktwert von knapp über 4 Mrd. Euro bräuchte die Lufthansa nur zwei Jahre, um Ihr Aktieninvestment in Form von Gewinnen vollständig zurückzuzahlen..., wenn die Krise nicht wäre.

Die Nettoverschuldung beträgt 6 Mrd. Euro. Die Bewertung ist damit so niedrig, dass Unternehmer Thiel offensichtlich Chancen sieht. Bei 36 Mrd. Euro Jahresumsatz und ordentlicher Gewinnmarge in normalen Zeiten hat die Lufthansa sicherlich noch einigen finanziellen Spielraum, um die Kosten der Krise zu stemmen.

FAZIT

Den Zahlen zufolge muss man also in Lufthansa investieren. Vor dem Hintergrund der bislang unüberschaubaren weiteren Entwicklung der Coronakrise darf man in Lufthansa nicht investieren.

Ich würde zu diesem Zeitpunkt die Entscheidung wie folgt treffen: Es gibt genügend Aktien, die unberechtigt im Rahmen der Ausverkaufswelle in den Abgrund gerissen wurden, obwohl deren Geschäft kaum oder gar nicht von der Krise betroffen ist, teilweise sogar davon profitieren könnte. Warum soll ich da dieses (politische = unberechenbare) Risiko eingehen?



06. Optionsscheinwahnsinn


In den Tagen vor dem Crash und während des Crashs habe ich drei E-Mails bekommen, in denen ich gefragt wurde, warum wir uns nicht mit einem Put abgesichert hätten. Eine E-Mail war auch dabei, in der ich einen Call empfehlen sollte.

Diese Fragen erreichen mich kontinuierlich: Put-Absicherungen hätte ich, wenn ich meinen Lesern folgen würde, in den vergangenen Monaten kontinuierlich eingehen sollen. Doch das Problem mit Puts ist, dass sie an Wert verlieren, wenn nichts passiert. Nur wenn man den Ausverkauf plus minus wenige Tage richtig erwischt, kann man die in den Aktien erlittenen Verluste damit teilweise ausgleichen.

Wenn man jedoch über einen längeren Zeitraum immer wieder neue Absicherungen eingeht, wird der Spaß sehr teuer.

Ich habe mich daher vor einigen Jahren dazu entschieden, Aktien zu verkaufen, wenn ich das Kursniveau für sehr hoch halte. Das kostet nichts, im Gegenteil, das bringt Cash aufs Konto. In den Tagen vor dem Crash hatten wir mit über 30% den höchsten Cashbestand seit langem.

Wer jetzt mit einem Call auf eine Gegenbewegung spekuliert, der läuft in eine andere Falle: die Volatilitätsfalle. Der Preis, den Spekulanten für Optionsscheine zu zahlen bereit sind, errechnet sich aus einer Vielzahl an Einflussfaktoren. Die Zeit bis zur Fälligkeit spielt eine wesentliche Rolle, wie oben anhand des Puts bereits erläutert. Der Preis des zugrunde liegenden Wertes ebenfalls. Und die Volatilität.

Mit Volatilität bezeichnet man die Schwankungsbreite des zugrunde liegenden Wertes, sagen wir DAX. Wenn der DAX also über Monate kontinuierlich nach oben klettert, ohne größere Korrekturen zu durchlaufen, sinkt die Volatilität unter 20, zuletzt sogar unter 15 und im Extremfall sogar unter 12. Optionsscheine, Call und Puts, sind in solchen Phasen "günstig".

Nun ist der DAX binnen drei Wochen von 13.750 auf 8.200 Punkte gefallen. Der schnellste Crash aller Zeiten, nicht einmal 1987 (Stopp-Loss-Crash im Oktober) und auch nicht 1929 (Große Wirtschaftskrise / Depression) verzeichneten solch heftige Kurseinbrüche in so kurzer Zeit. Die Volatilität ist dadurch in die Höhe geschossen.

Der US-Volatilitätsindex VIX ist über 85 geschossen, nicht einmal im Rahmen der Finanzkrise 2007 wurde ein solcher Wert erreicht.

Das heißt, Optionsscheine, auch Calls, sind derzeit sehr teuer.

Wenn nun tatsächlich eine Gegenbewegung an den Aktienmärkte erfolgt, dann wird sich die Schwankungsbreite der Aktienmärkte nicht weiter vergrößern. Und wenn dann die Tage aus der Berechnung fallen, an denen der DAX noch über 13.000 stand, während die Erholungsbewegung sich fortsetzt, dann wird die für die Berechnung der Volatilität während der letzten Tage zugrunde gelegte Bandbreite immer kleiner. Die Volatilität nimmt ab.

Der Effekt der rückläufigen Volatilität im Rahmen der Gegenbewegung nimmt einen Teil der Gewinne weg. Die Gegenbewegung muss eine Mindestgeschwindigkeit an den Tag legen, um diesen Effekt auszugleichen. Selbst wenn der DAX langsam steigen würde, könnten Sie mit einem Call in diesem Fall noch Geld verlieren.

Wer jetzt also mit Call-Optionen auf eine Gegenbewegung spekuliert, der hat ungeachtet der Börsenentwicklung schon mal zwei Gegner: Die Zeit und die Volatilität.

Ein ungleicher Kampf! Lassen Sie die Finger davon.



07. Update beobachteter Werte

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Dieses Kapitel bleibt den Heibel-Ticker PLUS-Abonnenten vorbehalten.

In Deutschland gibt es kaum einen anderen, der die Hintergründe der Aktienmärkte so messerscharf von dem täglichen Medienrummel trennen kann, wie der Autor des Heibel-Tickers Stephan Heibel.

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08. Übersicht HT-Portfolio

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Im Wochenverlauf habe ich zu mehreren Titeln Anmerkungen im Kundenbereich der Webseiten verfasst.

Die tabellarische Übersicht bleibt den zahlenden Abonnenten des Heibel-Ticker PLUS vorbehalten.

Die dritte Spalte zeigt die Schlusskurse von Donnerstagabend. Unter „Woche“ steht die Veränderung im Vergleich zur Vorwoche. Unter „2014“ steht das Ergebnis der Position seit Jahresbeginn bzw. seit Aufnahme ins Portfolio. Unter „Anteil“ finden Sie den Anteil der jeweiligen Position am Gesamtdepot.

Unter ! steht zur Information meine Grundtendenz:
Kbei Gelegenheit Kaufen, 
NKNachkaufen 
HHalten, 
Vbei Gelegenheit Verkaufen, 
TVTeilverkauf, also nicht die ganze Position 
VLVerkaufslimit, bei überschreiten eines bestimmten Kurses sollte verkauft werden 
SLStopp Loss, bei Unterschreiten eines bestimmten Kurses sollte verkauft werden 
TSTrailing Stopp, wie SL, nur dass das Limit kontinuierlich nachgezogen wird 



Die „Gelegenheit“ zum Kaufen oder Verkaufen wird sodann kurzfristig von mir per Update an Sie bekanntgegeben.

Ich habe diese Spalte „!" insbesondere für neue Kunden vorgesehen, die zu einem späteren Zeitpunkt wissen wollen, ob ich die Position noch zukaufen würde, wenn ich beispielsweise darin nicht schon voll investiert wäre. Zukaufen würde ich jeweils jedoch niemals zu Höchstkursen, sondern stets nur nach kurzfristigen Kursrückschlägen von mindestens 5-7%.

Kauffolge: Je spekulativer, desto aggressiver würde ich kaufen und verkaufen. Derzeit verwende ich die folgenden Schritte:

Value Positionen in drei Schritten aufbauen: 25%-25%-50%,

Spekulative und alternative Positionen in zwei Schrittenaufbauen: 50%-50%,

Tradingpositionen ganz oder gar nicht: 100%.

Stopp Loss Limits, Verkaufslimits und ähnliche Aktionsmarken verwalte ich aktiv in meinem System und ändere ich unter der Woche mehrfach, fast täglich. Eine Veröffentlichung der entsprechenden Limits ist in der Regel nicht sinnvoll, allenfalls Stopp Loss Marken werde ich bisweilen im Text bekanntgeben.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, aber ohne eine kleine Einnahmequelle kann ich diesen Dienst nicht aufrecht erhalten.

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Eine erfolgreiche Börsenwoche,
take share

Stephan Heibel
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09. Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise

Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt)

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Die Verwendung der Inhalte dieses Heibel-Tickers erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Quellen:
Kurse: Deutsche Kurse von comdirect.de, Goldbarren & Münzen von proaurum.de, US-Kurse von finance.yahoo.com. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist.
Bilanzdaten: Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa-AFX, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen



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