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01.05.2020:



H E I B E L - T I C K E R    S T A N D A R D

F I N A N Z I N F O R M A T I O N E N

- Einfach einen Tick besser -



DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5428

15. Jahrgang - Ausgabe 18 (01.05.2020)
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag



I N H A L T

01.Info-Kicker: Erholungsrallye erfasst Krisenverlierer
02.So tickt die Börse: Westlicher Pluralismus gewinnt gegen chinesischen Einheitswahn
 - Medizin vs. Wirtschaft
 - Lufthansa und das magische Dreieck
 - Adidas meldet Gewinneinbruch
 - Neid der Kleinen
 - Facebook trotzt der Coronakrise
 - Alphabet wird effizient
 - Bremsspuren bei DAX-Unternehmen
 - Wochenperformance der wichtigsten Indizes
03.Sentiment: Stimmungsumschwung mit Bauchschmerzen: Gute Laune trotz Zukunftsangst
 -
04.Ausblick: Neue Wunschpreise für Einkaufsliste, neue Kaufkandidaten
05.Update beobachteter Werte
 Kaufen, Spekulation auf Überlebensfähigkeit des Geschäftsmodells
 Stopp Loss auf 85 EUR setzen
 Gute Q-Zahlen verhelfen Aktie zum Sprung +8%
 Münchener Rück zahlt Dividende
 30% Wachstum auf alles
 Gute Zahlen, kein Ausblick
06.Übersicht HT-Portfolio
07.Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise
08.An-/Ab-/Ummeldung



01. Info-Kicker: Erholungsrallye erfasst Krisenverlierer

Liebe Börsenfreunde,

Die Wochengewinner in der DAX-Familie sind sowohl in der Logistik-Brauche (+9,5%) als auch in der Autoindustrie (+6,9%) zu finden. Gesundheitsbranche (+0,8%) und die Techbranche (+4%) hinken hinterher. Allein diese Betrachtung zeigt, dass wir im letzten Stadium der Erholungsrallye selbst die Krisenverlierer in den Himmel heben wollten. Das böse Erwachen kam dann heute in Form von katastrophalen Arbeitsmarktdaten, die einen Ausverkauf lostraten. Wie das Ganze zusammenpasst, lesen Sie im heutigen Kapitel 02.

Das Aktiensentiment würde ich als gedämpfte Feierlaune bezeichnen: Zwar freuen sich Anleger über den Kurssprung im DAX um 5,1%, doch gerechnet hat damit niemand. Im Gegenteil, die meisten halten den Kurssprung nicht für gerechtfertigt. Die Einzelheiten lesen Sie in Kapitel 03.

Heute habe ich drei weitere Wunschaktien für unsere Einkaufsliste vorgestellt: Eine Spekulation im Ölsektor, ein krisenfestes Investment in den Alkohol sowie eine US-Techaktie, die weiterhin hinter ihrem Potential zurückbleibt. Zudem habe ich die Wunschpreise für unsere Einkaufsliste aufgrund der veränderten Situation angepasst. Die Liste sowie die Vorstellung der drei Unternehmen finden Sie in Kapitel 04.

Wie immer gibt es eine ganze Reihe von Updates zu unseren offenen Positionen in Kapitel 05. Wir haben im Verlauf der Woche eine weitere spekulative Position eröffnet. Die Aktie ist derzeit das wohl heißeste Eisen hier in Deutschland und ich gehe davon aus, dass wir einen guten Einstiegspunkt gefunden haben.

Im Kapitel 06 finden Sie eine tabellarische Übersicht über den aktuellen Stand unseres Portfolios.

Bleiben Sie gesund und genießen Sie den morgigen Tag der Arbeit - ohne Arbeit :-)

Die PDF-Version dieser Ausgabe steht Ihnen ab sofort im Archiv sowie unter dem folgenden Link zur Verfügung: http://www.heibel-ticker.de/downloads/hts200503.pdf

Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,

take share, Ihr
Börsenschreibel

Stephan Heibel

Chefredakteur und
Herausgeber des
Heibel-Ticker




02. So tickt die Börse: Westlicher Pluralismus gewinnt gegen chinesischen Einheitswahn

Remdesivir wirkt.

Patienten, die mit dem Ebola-Medikament von Gilead behandelt wurden, verließen nach durchschnittlich 11 Tagen die Klinik, während die Kontrollgruppe 15 Tage brauchte. Bei schweren Fällen wurde die Sterblichkeit von 15% auf 11% gesenkt. Bei einer frühzeitigen Verabreichung wird ein milderer Krankheitsverlauf erreicht. Soweit die Ergebnisse einer Studie, deren Ergebnis NICHT nach den gängigen Standards durchgeführt wurde. Diese Resultate sind also mit großer Vorsicht zu genießen.

An den Aktienmärkten reicht das jedoch bereits für einen Kurssprung. Es ist das Signal, auf das alle gewartet haben. Bislang stand man Covid-19 machtlos gegenüber. Es gab - neben der Sauerstoffgabe - keinen Behandlungsansatz. Unzählige Ansätze haben sich in den vergangenen Wochen als wirkungslos entpuppt. Remdesivir hingegen erreichte die Testziele und wird nun so schnell wie möglich die weiter erforderlichen Tests durchlaufen, um schleunigst zugelassen zu werden.

Noch in der vergangenen Woche hatte eine anders lautende Studie aus China für einen Ausverkauf gesorgt. Ich habe am vergangenen Freitag darauf hingewiesen, dass China entweder nicht weiß, wie man mit Remdesivir umgeht, oder aber Interessen verfolgt, die der Studie abträglich waren.

Doch nach Snowden und Trump sind die westlichen Medien blind geworden gegenüber den Unzulänglichkeiten, die auch im Land der Mitte herrschen, und so haben die Massenmedien sowohl in Deutschland als auch in den USA den chinesischen Ergebnissen stärker vertraut als dem Dementi aus den USA. Ein Fehler, wie sich nun herausstellt.

Bei aller Euphorie: Weitere Studien sind erforderlich und es wird sicherlich auch Rückschläge geben. Außerdem handelt es sich noch lange nicht um ein Medikament, nach dessen Einnahme man sich keine Sorgen mehr um Covid-19 machen braucht, sondern es ist lediglich ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Zudem ist noch wenig über Nebenwirkungen bekannt, man spricht bspw. von Leberschädigungen bei 25% der Patienten.

Doch an den Finanzmärkten wird die Zukunft gehandelt und noch vor 24 Stunden galt es aus aussichtslos, Covid-19 in den Griff zu bekommen und nun gibt es zumindest einen Ansatz, der seine Tests bestanden hat. Das reicht, um die Angstszenarien, an die wir gewöhnt wurden, zu relativieren: Vielleicht dauert es ja doch nicht mehrere Jahre, um eine Herdenimmunität zu erreichen, da die Aufenthaltsdauer in Kliniken verkürzt und somit die Kapazität erhöht werden kann. Vielleicht sterben auf dem Weg zur Herdenimmunität nicht 2% der Bevölkerung, sondern nur 0,2%. Vielleicht können die Lockerungen im Lockdown schneller durchgeführt werden als derzeit von Merkel, Spahn et. al. propagiert. Vielleicht kann sich die Wirtschaft dadurch schneller erholen als von vielen befürchtet...

...viele vielleicht, aber immerhin gibt es nun wieder "vielleicht"s. Vor 24 Stunden gab es eigentlich niemanden, der nicht mit dem Vorwurf der Unverantwortlichkeit mundtot gemacht wurde: "Lockerungsdiskussionsorgien" lassen sich fortan nicht mehr abwürgen.

MEDIZIN VS. WIRTSCHAFT

Hier haben wir eigentlich ein magisches Dreieck: Medizin vs. Wirtschaft vs. Grundrechte. Alle drei können derzeit nicht gleichzeitig in vollem Umfang verfolgt werden, es müssen Abstriche an allen drei Ecken gemacht werden. Bislang wurde dem medizinischen Ziel der Gesundheit der Bevölkerung alles andere untergeordnet - aufgrund der ungewissen Datenlage meiner Ansicht nach zu Recht -, doch nun ist es an der Zeit, differenzierte Lösungen zu diskutieren und anschließend umzusetzen. Die Datenlage ist noch immer ungewiss, doch es sind Tendenzen zu erkennen, die berücksichtigt werden müssen.

Ich will mich heute nicht schon wieder in die Detaildiskussion stürzen, sondern werde aufgrund der veränderten Situation heute den Schwerpunkt auf das Besprechen einzelner Unternehmen legen. Immerhin haben wir in dieser verkürzten Woche mehr Q-Zahlen gesehen als in irgendeiner anderen Woche im Quartal.

LUFTHANSA UND DAS MAGISCHE DREIECK

Nein, ich kann keine Gedanken lesen. Aber wenn ich mich vollständig einer Partei verschrieben hätte, würde ich vermutlich folgendes denken, wenn ich der Lufthansa Geld geben soll:

CDU: Wir müssen die Lufthansa solvent halten, damit alle Zulieferer bezahlt werden können. Sonst bricht ein ganzer Wirtschaftszweig ein.

SPD: Wir müssen verhindern, dass die Lufthansa 10.000 Mitarbeiter frei setzt, das würde den Arbeitsmarkt belasten.

Grüne: Wir müssen dafür sorgen, dass der Kerosinausstoß verringert wird, um die Umweltbelastung des Fliegens zu verringern.

Wenn Sie jetzt berücksichtigen, dass die einzelnen Vorlieben nach jeder Wahl mit verändertem Gewicht durchgesetzt werden können, dann kann ich CEO Carsten Spohr verstehen, der irgendwann entnervt sagt: Na, dann nehmen wir doch lieber den Weg der geregelten Insolvenz in Eigenregie, so wie es Condor bereits tut und dafür Milliardenhilfen einsackt, ohne dass man dem Unternehmen seitens der Politik reinredet.

ADIDAS MELDET GEWINNEINBRUCH

Adidas hat am Montag früh schwache Zahlen veröffentlicht. Der Umsatz ist um 19% zurückgegangen, der Gewinn um 97% eingebrochen. Zunächst sei das Geschäft in China durch den dortigen Lockdown beeinträchtigt worden, inzwischen läuft das Geschäft dort wieder an. Dafür hat sich der Lockdown nun weltweit ausgebreitet, 70% der Adidas-Geschäfte seien derzeit geschlossen.

Einziger Lichtblick sei das Online-Geschäft, das um 35% angesprungen sei. Wenn man den März allein betrachtet, beträgt der Umsatzsprung sogar 55%. Leider ist nirgends in den Unterlagen von Adidas zu sehen, wie groß der Anteil von E-Commerce am Gesamtumsatz überhaupt ist. Somit ist diese Ziffer nur eine Marketingziffer ohne Inhalt.

50% des Umsatzes von Adidas wird durch Lizenzeinnahmen erwirtschaftet. Unter Lizenzeinnahmen versteht Adidas die Einnahmen von Geschäftspartnern, die Produkte unter Adidas-Lizenz verkaufen. Nur 22% macht der direkte Verkauf von Turnschuhen aus, Sportbekleidung steht nur für 11% des Konzernumsatzes. Doch egal ob in Lizenz, oder über eigene Shops, beide Kanäle sind derzeit geschlossen.

Die Vorräte von Adidas sind daher um 1 Mrd. Euro auf 4,3 Mrd. Euro angestiegen. Es handelt sich dabei um Vor- und Fertigwaren, die in Regalen liegen, weil der Absatz eingebrochen ist. Hier ist wohl einer der Hauptgründe zu finden, warum Adidas Staatshilfen in Anspruch genommen hat. Das Unternehmen hat nach eigener Aussage alle Tätigkeiten fortgesetzt, um das Geschäft für die Zukunft zu sichern. Man spekuliert wohl darauf, dass nach der Krise ein Nachholeffekt die Lager leer fegen werden.

Es mehren sich inzwischen die Stimmen, die aufgrund von Nachholeffekten in der zweiten Jahreshälfte eine gar nicht so dunkle Zukunft für die Wirtschaft sehen. Adidas möchte gerne Staatskredite in Anspruch nehmen, um diese Strategie zu verfolgen. Kredite sind keine Hilfen, die Kredite möchte Adidas zurückzahlen. Ich finde das nicht so verwerflich, wie es in der Presse in den vergangenen Tagen dargestellt wurde.

NEID DER KLEINEN

Verwerflich finde ich es, dass die kleinen und mittelständigen Betriebe keinen so guten Zugang zur Politik und somit zu den Hilfen und Krediten haben. Auch die gute alte Hausbank funktioniert nicht mehr so, wie es eigentlich einmal gedacht war: Auf Basis einer funktionierenden Geschäftsbeziehung dürften die Hausbanken heute eigentlich unzählige Kredite an kleine Unternehmen vergeben, die ebenso zurückgezahlt werden sollen. Geschieht das nicht, haftet der Staat für 90% des Kredits.

Mir wurden nun Erfahrungen berichtet, dass die Hausbank solche Kredite selbst dann verweigert, wenn der kleine Unternehmer anbietet, die 10% in bar zu hinterlegen, um die Bank schuldenfrei zu halten. Da gibt es einen Interessenkonflikt: Die "Großen" haben in der Regel schon so hohe Finanzierungen bei den Banken laufen, dass ein Scheitern eines großen Kunden nennenswerte Schäden in der Bankbilanz hinterlässt. Da schiebt man ihm lieber die Corona-Hilfen zu, damit das eigene Bankgeschäft nicht belastet wird.

Bei kleineren Betrieben gibt es diese Abhängigkeit seitens der Bank nicht. So wird mitunter ein Corona-Überbrückungskredit unter 90%iger Staatsgarantie mit dem Argument verweigert, man wisse ja gar nicht, wie stark das Unternehmen unter Corona leiden werde...

... doch genau dafür gibt es ja diese Kredite: Damit das Unternehmen Liquidität "für alle Fälle" hat.

Wie immer gilt: Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht. Ich bleibe bei meiner vorsichtigen Haltung hinsichtlich der Auswirkung der Coronakrise auf die Wirtschaft. An den Aktienmärkten, meinem eigentlichen Revier also, mag man den Eindruck haben, das Ganze kontrollieren zu können. Wenn ich mir jedoch vor Augen führe, wie kleinteilig unsere Wirtschaft ist, wie viele Kleinunternehmer elementar wichtig für unsere Gesellschaft sind, dann fürchte ich, werden die negativen Folgen dieser Krise bislang noch unterschätzt.

FACEBOOK TROTZT DER CORONAKRISE

Das Geschäft hat zwar im März unter der Zurückhaltung von Millionen kleinen Facebook-Werbekunden gelitten. Restaurants und Reiseunternehmen machen keine Werbung mehr. Doch schon im April habe sich eine Stabilisierung auf das Vorjahresniveau gezeigt, so CFO David Wehner. Gründer und CEO Mark Zuckerberg überraschte mit einer Aussage, dass die Krise ihm bewusst gemacht habe, wie wichtig es für sein Unternehmen sei, eine hohe Profitabilität auszuweisen.

Das überrascht, weil die Tech-Unternehmen traditionell sehr viel Geld investieren. Viel Geld wird da auch in berühmte "moonshot"-Projekte investiert, in Projekte also, die Ziele verfolgen, die in den kommenden Jahren wohl kaum erreicht werden, geschweige denn Gewinne abwerfen werden. Hört sich so an, als werde Facebook künftig also eine höhere Gewinnmarge anstreben und entsprechende Projekte weniger leichtfertig finanzieren.

Das ist natürlich Musik in den Ohren der Anleger, die Aktie ist heute um 10% angesprungen.

ALPHABET WIRD EFFIZIENT

Die Google-Mutter Alphabet hat eine ganz ähnliche Aussage getroffen: CFO Ruth Porat gab zu verstehen, dass man sich im Hause Google ebenfalls um Profitabilität kümmern werde. auch Google hat einen Umsatzrückgang im März verzeichnet, der im Gesamtquartal jedoch aufgefangen werden konnte. Doch um gestärkt aus der Krise hervorzugehen, werde man Effizienzmaßnahmen umsetzen.

Google ist so profitabel, dass man sich dort eigentlich um Geld überhaupt keine Gedanken macht: Alles wird finanziert. Kostenfreies Essen und umfangreiche Sportangebote für die Mitarbeiter, die besagten Moonshot-Projekte, in denen sich Wissenschaftler austoben dürfen. Zuletzt hatte Google sich während der Finanzkrise 2007 bis 2009 um die Effizienz seines Geschäfts gekümmert und das Ergebnis war sensationell: Die Gewinnmarge war deutlich gesteigert worden und entsprechend war der Kurs abgehoben.

Wenn wir das jetzt wieder erleben, dann spricht das für Google: Alphabet kann man durchaus im Depot haben.

BREMSSPUREN BEI DAX-UNTERNEHMEN

Auch in Deutschland haben diese Woche eine ganze Reihe von Unternehmen Zahlen oder Prognosen veröffentlicht. Überall wurden vorsichtige Töne angeschlagen, doch die schlimmsten Befürchtungen haben sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. VW und Daimler suchen den Weg zurück zur Normalität, können aber nicht zu optimistisch sein, da sie in Berlin noch um eine Abwrackprämie buhlen. Bayer und die Deutsche Bank haben mit überraschend soliden Zahlen gepunktet. Selbst Airbus und Triebwerkshersteller MTU Aero, deren Kunden derzeit praktisch keine Geschäftsgrundlage mehr haben, überraschen mit guten Krisenplänen und Cashreserven.

In diese "nicht-so-schlimm-wie-befürchtet" Meldungen und in die Remdesivir-Hoffnung kommt nun heute Vormittag die Arbeitsmarktzahl als Party-Killer: 373.000 mehr Arbeitslose hat uns der April beschert. Die monatliche Veränderung schwankt in der Regel immer so zwischen Plusminus 20.000. In Extremsituationen kann es auch mal 60.000 zusätzliche Arbeitslose geben. Aber die heutige Ziffer mit 373.000 zusätzlichen Arbeitslosen hat nun doch einen Schock-Effekt erzeugt. Gerechnet hatte man mit der Rekordzahl von 76.000 neuen Arbeitslosen, doch gemeldet wurde fast das Fünffache. Wo kommen diese Arbeitslosen denn her, wo doch alle Großunternehmen gerettet werden?

Meine Antwort: siehe oben. Kleinunternehmer werden mit vollmundigen Versprechungen der Politik im Interessenswirrwar der Banken allein gelassen.

Schauen wir mal auf die Wochenentwicklung der wichtigsten Indizes:

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES


INDIZES29.4.20Woche ΔΣ '20 Δ
Dow Jones24.257 3,3%-15,3%
DAX10.862 5,1%-18,0%
Nikkei20.194 4,8%-14,6%
Shanghai A 2.998 1,8%-5,9%
Euro/US-Dollar1,091,2%-2,3%
Euro/Yen116,910,8%-4,4%
10-Jahres-US-Anleihe0,59%-0,01-1,35
Umlaufrendite Dt-0,50%-0,04-0,27
Feinunze Gold$1.692 -1,2%11,9%
Fass Brent Öl$25,23 17,6%-63,3%
Kupfer5.184 3,0%-16,5%
Baltic Dry Shipping643 -4,3%-41,0%
Bitcoin8.530 13,3%17,0%



Montag bis Mittwoch zogen die Aktienmärkte nach oben, am Donnerstag wurde ein Teil des Wochengewinns wieder abgegeben. Es bleiben aber dennoch große Wochengewinne in den internationalen Aktienindizes übrig, der Monat März ist einer der besten Börsenmonate der Geschichte.

Auch der Ölpreis konnte sich deutlich erholen... ich warte mal ab, wie sich die Situation zur Fälligkeit der Futures Mitte Mai entwickelt, denn da wird erneut die Frage gestellt, wer das den Futures zugrunde liegende Öl abnimmt und lagert.

Das Zinsniveau ist wieder auf dem Rückzug, nachdem die Notenbanken in Japan, den USA und in Europa im wesentlichen gesagt haben, dass sie über unbegrenzte Liquidität verfügen, um die Folgen der Coronakrise am Finanzmarkt aufzufangen. Siehe dazu auch die Leserfrage vom 10. April: https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/1736?.

Schauen wir nun einmal, wie sich die Stimmung der Anleger entwickelt hat.




03. Sentiment: Stimmungsumschwung mit Bauchschmerzen: Gute Laune trotz Zukunftsangst

Wir laufen auf ein Szenario zu, das an den Aktienmärkten als die "perfekte Welle" bezeichnet wird: Die Notenbanken weltweit pumpen Liquidität ins System, um die Folgen der Corona-Pandemie abzumildern. Regierungen weltweit legen Konjunkturhilfen auf, um die Folgen der Corona-Pandemie zu mildern. Und da findet die Medizin ein Medikament (Remdesivir), das die schlimmsten Folgen einer Pandemie mildern kann. Nun erwarten viele Anleger, das die wirtschaftlichen Folgen überschaubar bleiben, gleichzeitig jedoch Finanzmärkte und Wirtschaft mit Geld geflutet werden. Die Folge? Steigende Kurse und, wenn Notenbanken nicht rechtzeitig gegensteuern, Inflation.

Die steigenden Kurse versetzen Anleger in eine gute Stimmung. Unser Aktiensentiment ist in dieser verkürzten Woche von -2,4 auf +2,9 gesprungen, ein gigantischer Stimmungsumschwung. Von Euphorie spreche ich zwar erst ab Werten über 4, aber vor dem Hintergrund der depressiven Stimmung seit Ende Februar ist dieser Stimmungsumschwung bemerkenswert.

Ich bin gespannt, wie sich die Stimmung in der kommenden Woche entwickelt. Eine weitere Stimmungsverbesserung würde zu Euphorie führen, die ich auch als "Partylaune" beschreibe. Doch Partys sind ja verboten. Mal sehen, ob sich die Anleger daran halten.

Die meisten Anleger wurden von dieser Entwicklung auf dem falschen Fuß erwischt. Mit einem Wert von -4,9 zeigt sich große Verunsicherung bei unseren Umfrageteilnehmern über die jüngste Marktentwicklung. Man könnte es auch Unglaube darüber nennen, dass die Krise nun schon ihren Zenit überschritten haben könnte.

Und so ist die Zukunftserwartung auch weiter abgesackt: mit einem Wert von -2,5 dominieren nun bereits in der dritten Woche in Folge die Bären über die Bullen. Die aktuellen Kursgewinne an den Aktienmärkten hält die Mehrzahl für vorübergehend, in drei Monaten werde der DAX wieder tiefer stehen, so die Überzeugung der Mehrheit.

Daher ist auch keine Investitionsbereitschaft vorhanden: Zum Kaufen ist es nach dem aktuellen Kurssprung zu spät, zum Verkaufen hingegen gibt es nicht ausreichend Positionen im Depot der Umfrageteilnehmer. Entsprechend neutral ist die Investitionsbereitschaft mit einem Wert von -0,1.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger zeigt mit einem Wert von -12 eine starke Absicherung an. Anleger haben ihre Positionen mit Put-Optionsscheinen oder entsprechenden Finanzinstrumenten gegen fallende Kurse abgesichert.

Profis, die sich über die Eurex absichern, haben diese Woche hingegen keine eindeutige Positionierung vorgenommen. Nachdem vor einer Woche noch überwiegend Long-Spekulationen eingegangen wurden, hat man nun die Gewinne mitgenommen.

In den USA ist das Put/Call-Verhältnis im neutralen Bereich, nachdem insbesondere im Aktienbereich zuvor starke Absicherungen eingegangen wurden.

Das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger zeigt mit -25% einen starken Überhang der Bären. Pessimismus dominiert also auch in den USA noch immer das Marktgeschehen.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit einem Wert von 46% eine neutrale Verfassung an.

Interpretation



Wie wenn mit Gesichtsmaske gefeiert wird: Trotz eines großen Wochengewinns ist die Feierlaune der Anleger nur gedämpft. Der Stimmungsumschwung ist groß, da die Situation noch vor einer Woche völlig aussichtslos erschien. Doch mit Blick auf die veränderte Welt scheint es den Anlegern schwer zu fallen, ausgelassen zu feiern, dass man einen ersten Ansatz der Behandlung von Covid-19 erfolgreich getestet hat (Remdesivir).

Zweifel kommen auf: Reicht ein medizinischer Lösungsansatz, um die Weltwirtschaft wieder in Schwung zu bringen? Oder ist der angerichtete Schaden bereits zu groß, um durch Nachholeffekte in absehbarer Zeit kompensiert zu werden?

Wie auf Bestellung kommen da die heutigen Arbeitsmarktdaten und stürzen den DAX wieder ins Minus. Der medizinische Lösungsansatz, so begrüßenswert er sein mag, ist wirtschaftlich zu dünn. Zu ungewiss und auch nicht geeignet, die Gesellschaft wieder in ein normales, der Vor-Coronazeit vergleichbares Leben zu entlassen.

Doch Privatanleger sind auf einen Rückschlag vorbereitet, man hat sich ausreichend abgesichert. Und institutionelle Anleger sind noch lange nicht so stark investiert wie früher. Im Gegenteil, die Cash-Reserven sind noch immer größer denn je. Sollte tatsächlich mehr dran sein an der medizinischen Lösung als derzeit bewiesen, dann könnte man einer Fortsetzung der Rallye schlimmstenfalls hinterherlaufen.

So ist trotz der heftigen Erholungsbewegung der vergangenen Wochen nicht mit einer heftigen Korrektur dieser Erholung zu rechnen. Frühzeitig dürften Käufer auf den Markt kommen, um sich für die Zeit nach Corona zu positionieren.

Ein solches Verhalten würde zu unserem 5-Wochenschnitt der Sentiment-Entwicklung passen. Nach dem historischen Tief vor einigen Wochen ist eine überproportional große Erholungsbewegung nicht überraschend. Und wenngleich eine solche Erholung jederzeit mal eine Verschnaufpause einlegen und den DAX auch wieder ein wenig zurückführen kann, lässt die Stimmung derzeit jedoch auch danach wieder eine Fortsetzung der Erholung zu.
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Nach den Entwicklungen dieser Woche ist eine Rückkehr zu den Tiefs aus dem März nunmehr unwahrscheinlich geworden. Ein erneuter Rückschlag ist jederzeit möglich, aktuell vielleicht sogar bereits im Gange. Doch im Anschluss dürfte sich die Erholungsbewegung wieder fortsetzen.

Wer also in den vergangenen Wochen Teilgewinne mitgenommen hat, kann nun wieder zugreifen.










04. Ausblick: Neue Wunschpreise für Einkaufsliste, neue Kaufkandidaten

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05. Update beobachteter Werte

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06. Übersicht HT-Portfolio

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Im Wochenverlauf habe ich zu mehreren Titeln Anmerkungen im Kundenbereich der Webseiten verfasst.

Die tabellarische Übersicht bleibt den zahlenden Abonnenten des Heibel-Ticker PLUS vorbehalten.

Die dritte Spalte zeigt die Schlusskurse von Donnerstagabend. Unter „Woche“ steht die Veränderung im Vergleich zur Vorwoche. Unter „2014“ steht das Ergebnis der Position seit Jahresbeginn bzw. seit Aufnahme ins Portfolio. Unter „Anteil“ finden Sie den Anteil der jeweiligen Position am Gesamtdepot.

Unter ! steht zur Information meine Grundtendenz:
Kbei Gelegenheit Kaufen, 
NKNachkaufen 
HHalten, 
Vbei Gelegenheit Verkaufen, 
TVTeilverkauf, also nicht die ganze Position 
VLVerkaufslimit, bei überschreiten eines bestimmten Kurses sollte verkauft werden 
SLStopp Loss, bei Unterschreiten eines bestimmten Kurses sollte verkauft werden 
TSTrailing Stopp, wie SL, nur dass das Limit kontinuierlich nachgezogen wird 



Die „Gelegenheit“ zum Kaufen oder Verkaufen wird sodann kurzfristig von mir per Update an Sie bekanntgegeben.

Ich habe diese Spalte „!" insbesondere für neue Kunden vorgesehen, die zu einem späteren Zeitpunkt wissen wollen, ob ich die Position noch zukaufen würde, wenn ich beispielsweise darin nicht schon voll investiert wäre. Zukaufen würde ich jeweils jedoch niemals zu Höchstkursen, sondern stets nur nach kurzfristigen Kursrückschlägen von mindestens 5-7%.

Kauffolge: Je spekulativer, desto aggressiver würde ich kaufen und verkaufen. Derzeit verwende ich die folgenden Schritte:

Value Positionen in drei Schritten aufbauen: 25%-25%-50%,

Spekulative und alternative Positionen in zwei Schrittenaufbauen: 50%-50%,

Tradingpositionen ganz oder gar nicht: 100%.

Stopp Loss Limits, Verkaufslimits und ähnliche Aktionsmarken verwalte ich aktiv in meinem System und ändere ich unter der Woche mehrfach, fast täglich. Eine Veröffentlichung der entsprechenden Limits ist in der Regel nicht sinnvoll, allenfalls Stopp Loss Marken werde ich bisweilen im Text bekanntgeben.

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take share

Stephan Heibel
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07. Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise

Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt)

Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber nach unseren Anlageideen. Für unsere eigenen Transaktionen befolgen wir Compliance Regeln, die auf unsere eigene Initiative von der BaFin abgesegnet wurden. Dennoch müssen wir jegliche Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten.

Die Inhalte des Heibel-Tickers spiegeln unsere Meinung wider. Sie stellen keine Beratung, schon gar keine Anlageempfehlungen dar.

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Die Verwendung der Inhalte dieses Heibel-Tickers erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Quellen:
Kurse: Deutsche Kurse von comdirect.de, Goldbarren & Münzen von proaurum.de, US-Kurse von finance.yahoo.com. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist.
Bilanzdaten: Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa-AFX, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen



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