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09.10.2020:



H E I B E L - T I C K E R    S T A N D A R D

F I N A N Z I N F O R M A T I O N E N

- Einfach einen Tick besser -



DEUTSCHE BIBLIOTHEK : ISSN 1862-5428

15. Jahrgang - Ausgabe 41 (09.10.2020)
Erscheinungsweise: wöchentlich Freitag/Samstag



I N H A L T

01.Info-Kicker: Einzeltitel dominierten das Marktgeschehen
02.So tickt die Börse: Exorbitante Kurssprünge bei Einzeltiteln aller Branchen
 - Infineon profitiert von Übernahmeplänen der Branche
 - Schäffler bessert Bilanz auf
 - Fusionspläne der Deutschen und Commerzbank
 - Grenke Leasing zeigt Bargeld-Bestätigungen
 - S&T erobert IoT Markt
 - Lufthansa und MTU Aero profitieren von niedriger Ansteckungsgefahr
 - 1%1 Drillisch erzielt Etappensieg gegen Telefonica
 - Erneuerbare Energien werden stärker gefördert
 - DermaPharm profitiert von Impfstoff-Optimismus
 - Hoffnung auf Konjunkturhilfen stützen Baubranche
 - Ruf nach dem Staat bei ThyssenKrupp
 - K+S holt Geld durch Teilverkauf in die Bilanz
 - Wochenperformance der wichtigsten Indizes
03.Sentiment: Exzessive Spekulation ist ein Warnzeichen
 -
04.Ausblick: Meine beiden Wasserstoff-Favoriten: Solide & Spekulativ
05.Übersicht HT-Portfolio
06.Disclaimer / Haftungsausschluss und Risikohinweise
07.An-/Ab-/Ummeldung



01. Info-Kicker: Einzeltitel dominierten das Marktgeschehen

Liebe Börsenfreunde,

Im heutigen Kapitel 02 habe ich mir die Wochengewinner näher angeschaut: Quer durch alle Branchen gab es Einzeltitel, die große Kursgewinne verzeichneten. Ich habe die Gründe für die Kurssprünge erforscht und komme so dahinter, bei wem es sich um den Anfang steigender Kurse handeln dürfte, und wo wir eine Luftnummer sehen.

Die Stimmung hat sich aufgehellt. Kein Wunder nach dem Kurssprung von 3% im DAX. Doch die Überzeugung fehlt, die Sentimentanalyse zeigt, dass der Großteil der eingesetzten Summen spekulativ ist, was zu schnellen Kursschwankungen in beide Richtungen führen kann. Die Details dazu lesen Sie in Kapitel 03.

Die Brennstoffzelle beschäftigt mich schon seit 20 Jahren, doch für eine Aktienempfehlung hat es bislang noch nie gereicht. Nun ist der Wasserstoffantrieb zum strategischen Ziel unserer Regierung angewachsen und ich habe zwei Aktien erarbeitet, die meiner Überzeugung nach derzeit die besten Karten in diesem Markt haben: Eine Spekulation und eine solide Anlageidee. Der Haken: Für beide Aktien brauchen Sie noch einen sehr langen Zeithorizont. In Kapitel 04 habe ich meine Ergebnisse zum Thema Wasserstoffantrieb dargelegt.

Nein, diese Woche gab es kein Update: Unsere Titel waren nicht in den Schlagzeilen. Wie immer gibt es daher lediglich die tabellarische Übersicht über unser Portfolio in Kapitel 05.

Die PDF-Version dieser Ausgabe steht Ihnen ab sofort im Archiv sowie unter dem folgenden Link zur Verfügung: http://www.heibel-ticker.de/downloads/hts201011.pdf

Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,

take share, Ihr
Börsenschreibel

Stephan Heibel

Chefredakteur und
Herausgeber des
Heibel-Ticker




02. So tickt die Börse: Exorbitante Kurssprünge bei Einzeltiteln aller Branchen

Was ich vor einer Woche über das Duell zwischen Trump und Biden gesagt hatte, zeigte sich diese Woche in beeindruckender Weise: Der Wallstreet scheint es mittlerweile egal zu sein, wer der nächste US-Präsident wird. Obwohl der vermeintliche Börsenliebling Trump in Umfragen deutlich verloren hat, konnte der Dow Jones um 3,6% zulegen.

TrumpBiden20201010
Abbildung 1: US-Wahlkampf: Trump verliert seit Corona-Infektion

Quelle: RealClearPolitics
https://www.realclearpolitics.com/epolls/2020/president/us/general_election_trump_vs_biden-6247.html

Und die Börsenrallye betraf alle Branchen und Regionen, wie Sie der folgenden Heatmap entnehmen können.

Heatmap20201010
Abbildung 2: Wochenentwicklung der größten US-Unternehmen farblich dargestellt

Quelle: Finviz Financial Visualizations
https://www.finviz.com/map.ashx?t=sec_all&st=w1

So sind die Wochengewinner unserer DAX-160 Familie (DAX, MDAX & SDAX) quer durch alle Branchen zu finden.

INFINEON PROFITIERT VON ÜBERNAHMEPLÄNEN DER BRANCHE

Infineon konnte um 8% zulegen, weil AMD ein Übernahmeangebot für Infineons Wettbewerber Xilinx abgegeben hat. Xilinx bietet Chips für die Automobilindustrie, Medizintechnik, Verteidigungsindustrie, Rechenzentren, etc. an. Branchen, die AMD mit seinen Graphikchips gerne erobern würde.

Nachdem Nvidia ein Übernahmeangebot für ARM Technology abgegeben hat, zieht AMD nun nach. Infineon ist noch "alleine", die Einschläge kommen aber näher. Nicht jeder Übernahmeversucht gelingt (NXP), irgendwann dürfte auch Infineon mal zum Übernahmeziel werden.

SCHÄFFLER BESSERT BILANZ AUF

Auch die Aktien von Schäffler haben um 8% zugelegt. Das Unternehmen hat erfolgreich eine Anleihe im Volumen von 1,5 Mrd. Euro im Markt platziert und damit die finanzielle Basis deutlich gestärkt. Mit dem Geld sollen zwei bald fällige Anleihen abgelöst werden. Damit hat das Unternehmen nun bis 2024 keine größeren finanziellen Verpflichtungen mehr abzulösen.

Mit 14 Mrd. Euro Jahresumsatz gehört Schäffler zu den großen Automobilzulieferern. Eine Krise wie die Coronakrise führt zwangsläufig zu einer Konsolidierung: die Schwachen gehen über die Wupper, die Starken werden deren Marktanteile aufschnappen. Schäffler hat nun gute Chancen, zu den "Starken" zu gehören, die nach der Krise Marktanteile aufschnappen können. Mit einer Marktkapitalisierung von nur noch knapp 1 Mrd. Euro ist das Unternehmen derzeit selber ein Schnäppchen, sofern die Automobilbranche sich bald erholen kann. Ich halte mich dennoch frei von der Aktie, weil ich derzeit kein Vertrauen in die deutsche Automobilindustrie habe.

FUSIONSPLÄNE DER DEUTSCHEN UND COMMERZBANK

Die Deutsche Bank und die Commerzbank konnten diese Woche beide um 9% zulegen. Der Grund: Der neue Chef der Commerzbank, Manfred Knopf, kommt direkt von der Deutschen Bank (Privatkundengeschäft) und gilt als harter Sanierer. Seit Jahren, oder besser gesagt seit Jahrzehnten, wird in der Bankenbranche nur noch saniert. Jeder Chef, der die Bank für zukunftsträchtige, neue Geschäftsfelder ausrichten wollte, musste frühzeitig das Handtuch werfen.

Das Gerücht hält sich nun im Markt, dass die Deutsche und die Commerzbank zusammengehen sollen. Politisch ist das schon lange gewollt, die beiden Banken wehrten sich aber mit Händen und Füßen. Großer Widerstand kam stets vom noch amtierenden Commerzbankchef Martin Zielke, der unter allen Umständen eigenständig bleiben wollte, statt zum Abteilungsleiter der Deutschen Bank degradiert zu werden. Vor diesem Hintergrund ist der Chefwechsel richtungsweisend.

Auch die jüngsten Kommentare von Christian Sewing, CEO der Deutschen Bank, kann man in diese Richtung interpretieren: Er halte eine Fusion unter Gleichen, oder aber auch Zukäufe für möglich. Daraus können Sie ableiten, was er NICHT für möglich hält: die Option, dass die Deutsche Bank sich kaufen lässt. So fallen eine Reihe von großen europäischen Banken als potentielle Partner weg, da sie größer sind und die Deutsche Bank nicht als gleichberechtigten Partner akzeptieren würden. Bleibt also die Commerzbank übrig.

Ich denke, wir können uns langsam darauf einstellen, dass die Postbank, die Dresdner Bank, die Commerzbank und die Deutsche Bank bald unter einem Dach leben.

GRENKE LEASING ZEIGT BARGELD-BESTÄTIGUNGEN

Grenke Leasing konnte diese Woche sogar um 23% anspringen: das Unternehmen legte Nachweise vor, die den Bargeldbestand bestätigten. Im Rahmen der Anschuldigungen durch den Shortseller Fraser Perring war immer wieder in Frage gestellt worden, ob das Unternehmen nicht Luftbuchungen vorgenommen hätte. Mit dem Nachweis der Kontostände betrachtet Grenke nun diesen Vorwurf als entkräftet.

Ein Kurssprung von 23% ist zwar enorm, dennoch wäre ich vorsichtig, die Sache nun abzuhaken: Wenn die Sache damit aus der Welt wäre, müsste die Aktie doch wieder auf das Kursniveau von vor den Vorwürfen zurückspringen: 55 Euro. Die Aktie ist aber nur von 30 auf 40 Euro gesprungen. Ein Teil des Kurssprungs waren sicherlich Short-Eindeckungen. Leerverkäufer, die auf fallende Kurse bei Grenke spekulierten, müssen im Falle eines Kursanstiegs Sicherheiten nachweisen, damit die Bank sicher sein kann, dass die geschuldeten Aktien auch zu höheren Kursen geliefert werden können. Können keine ausreichenden Sicherheiten nachgewiesen werden, so wird eine solche Leerposition durch den Broker "zwangseingedeckt". Man spricht von einem Short Squeeze: Die Leerverkäufer werden ausgequetscht und das treibt den Kurs weiter in die Höhe.

Wie viel also vom Kurssprung dieser Woche durch euphorisierte Anleger, oder aber durch ausgequetschte Leerverkäufer erfolgte, lässt sich nicht sagen. Ich würde sagen, diese Runde ging an Grenke. Ein Boxkampf geht aber über mehrere Runden. Der Sieger steht noch nicht fest.

S&T EROBERT IOT MARKT

Das österreichische IT-Unternehmen S&T hatte vor einigen Wochen unter einem negativen Analystenkommentar gelitten: Das Unternehmen leide unter einem margenschwachen Servicegeschäft, so der Tenor. Nun hat das Unternehmen zu den Vorwürfen Stellung genommen: Die Jahresziele wurden bestätigt und die Marge im neuen Geschäftsbereich IoT (Internet der Dinge) sei nicht niedrig. Immerhin mache das IoT-Geschäft inzwischen schon 55% des Konzernumsatzes aus und liefere 70% des Gewinns (EBITDA).

Die Aktie sprang daraufhin um 10% an. Für 2021 wird ein Umsatzsprung von 25% erwartet, das KGV 2021e würde dann auf 16 fallen. Schulden hat das Unternehmen kaum, für mich sieht das alles ziemlich solide aus.

LUFTHANSA UND MTU AERO PROFITIEREN VON NIEDRIGER ANSTECKUNGSGEFAHR

Sie wissen ja: Als Diplom Volkswirt glaube ich keiner Statistik, die ich nicht selber gefälscht habe. Die drei weltweit größten Flugzeugbauer, Airbus, Boeing und Embraer, haben sich zusammen gesetzt und Zahlen so lange gewürfelt, bis eine brauchbare Zahl heraus kam: Im Flugzeug würden nur halb so viele Tröpfchen den Nachbarn erreichen wie im Büro. Nur einer von 2,7 Millionen Flugreisenden habe sich in den vergangenen Monaten angesteckt.

Endlich eine Meldung, die das Fliegen als sicher bezeichnet. Die Aktien von Lufthansa sprangen um 14% an, die von MTU Aero um 10%.

Im Büro würden 10 von 10.000 Tröpfchen beim Nachbarn in 1,80 Meter Abstand (6 Fuß) ankommen. Im Flugzeug nur 5, sofern eine Maske getragen wird. Hmm, im Büro werden ohne Maske also nur doppelt so viele Tröpfchen übertragen wie im Flugzeug mit Maske. So klingt das Ganze schon wieder weit weniger eindrucksvoll.

In diesem Jahr seien rund 3.000 mit Corona infizierte Passagiere transportiert worden, so die Schätzung der Flugvereinigung IATA. Bislang seien nur 44 Fälle von Ansteckungen an Bord eines Fliegers bekannt. Dieses Jahr sind bereits 1,2 Mrd. Menschen mit dem Flugzeug unterwegs gewesen. Selbst wenn nur jeder zehnte Fall einer Ansteckung an Bord bekannt wäre, betrüge die Ansteckungsgefahr nur eins zu 2,7 Mio., rechnet die IATA vor.

Wenn wir uns aber die anderen Zahlen anschauen, die uns gegeben wurden, dann ergibt sich auch ein ganz anderes Bild: Es ist also bekannt, dass sich 44 Passagiere an Bord eines Fluges angesteckt haben und die IATA schätzt, insgesamt 3.000 infizierte Personen befördert zu haben. Die Ansteckungswahrscheinlichkeit diesen Zahlen zufolge steht bei 1,47%, wenn Sie mit Maske neben einem infizierten Passagier, der ebenfalls eine Maske trägt, sitzen.

Das entspricht zufällig genau den offiziellen Zahlen, die seit Monaten publiziert werden: Die Ansteckungsgefahr kann durch das Tragen einer Maske auf 1,5% gesenkt werden.

Wenn wir hier nun aber die von IATA nicht ohne Grund genannte Verzehnfachung der möglichen Fälle berücksichtigen, weil eben nicht jeder Ansteckungsfall an die Fluggesellschaften gemeldet wird, wohingegen die Zahl 3.000 bereits eine begründete Schätzung ist, dann kommen wir auf eine mögliche Ansteckungsgefahr von 15% im Flugzeug, wenn Sie neben einer infizierten Person sitzen.

Hmm, ich werte dies also als interessante Statistik, nicht aber als einen ausreichenden Beleg dafür, dass Fliegen sicher ist. Auch die Temperaturmessung beim Einsteigen halte ich für eine homöopathische Aktion, da infizierte Personen genau dann am ansteckendsten sind, wenn sie noch kein Fieber haben.

Es bleibt also spannend, bis ein Impfstoff gefunden und in der Breite verfügbar ist.

1%1 DRILLISCH ERZIELT ETAPPENSIEG GEGEN TELEFONICA

Die Telefonica ist verpflichtet, ihr bestehendes Mobilfunknetz zu angemessenen Preisen Dritten wie 1&1 Drillisch zur Verfügung zu stellen. Drillisch behauptet, die seit 2018 berechneten Preise seien nicht angemessen. Ein Schiedsgutachten bestätigte diese Woche den Vorwurf von Drillisch, entsprechend konnte die Aktie von Drillisch um 8% anspringen. Auch hier gilt: Eine Runde wurde gewonnen, der Boxkampf geht aber weiter.

ERNEUERBARE ENERGIEN WERDEN STÄRKER GEFÖRDERT

Encavis (+11%), Nordex (+13%) und SMA Solar (+15%) konnten diese Woche kräftig anspringen. Auftragsgewinne und positive Analysteneinschätzungen haben den Aktien Auftrieb gegeben. Im Rahmen neuer Prioritäten der Klimawende profitieren Anbieter erneuerbarer Energien.

DERMAPHARM PROFITIERT VON IMPFSTOFF-OPTIMISMUS

Sollte BioNTech in Kooperation mit Pfizer erfolgreich einen Corona-Impfstoff aus mRNA-Basis entwickeln, so wird ein Teil der Produktion von DermaPharm umgesetzt. Nach der Corona-Infektion von Donald Trump wurde ein Medikament von Regeneron ad hoc zugelassen. Nun gibt es die Hoffnung, auch bei den Impfstoffen eine weitere Beschleunigung zu sehen, oder aber zumindest konzertierte Anstrengungen, jegliche Stolpersteine auf dem Weg ad hoc beiseite räumen zu lassen.

HOFFNUNG AUF KONJUNKTURHILFEN STÜTZEN BAUBRANCHE

In den USA erlebt die Baubranche einen selten gesehenen Boom. Der Grund: Nie zuvor war der Wunsch nach eigenen vier Wänden so groß wie in Zeiten, in denen man nicht verreisen kann, nicht Essen gehen kann, keine Zinsen auf seine Ersparnisse erhält und Immobilienfinanzierungen so günstig sind wie nie zuvor. Nun wird in den USA doch wieder über ein weiteres Konjunkturprogramm diskutiert und dadurch würden sich die Rahmenbedingungen für die US-Konjunktur verbessern, was sich auch auf die Immobilienbranche überträgt.

So profitieren sogar unsere international ausgerichteten Immobilienunternehmen wie HeidelbergCement (+8%), Billiger (+23%), DWS Group (+10%) und Deutsche Euroshop (+10%).

RUF NACH DEM STAAT BEI THYSSENKRUPP

Die IG Metall wünscht sich einen Staatseinstieg bei ThyssenKrupp. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat dies umgehend abgelehnt. Dennoch ist die Aktie von ThyssenKrupp diese Woche um 16% angesprungen. Sie kennen meine Denke: Wo der Staat mitredet, fühle ich mich als Anleger nicht wohl.

K+S HOLT GELD DURCH TEILVERKAUF IN DIE BILANZ

Düngemittelhersteller K+S verkauft sein US-Geschäft und holt sich damit dringend erforderliche Barmittel in die Bilanz, um den hohen Schuldenstand zu vermindern. Die Aktie ist um 16% angesprungen. Es ist ein Befreiungsschlag, nachdem das US-Abenteuer schon vor Corona die Aktie in den Keller drückte. 2018 stand der Kurs noch bei 25 Euro, Ende September nur noch bei 5,30 Euro. Nun ist die Aktie auf 7 Euro angesprungen. 4 Mrd. Euro Jahresumsatz werden mit nur noch 1,35 Mrd. EUR Marktkapitalisierung bewertet - allerdings lasten eben die hohen Schulden (3,5 Mrd. EUR Netto) auf der Bewertung, so dass wir hier noch nicht unbedingt ein Schnäppchen haben: Wir müssen abwarten, wie sich der Verkauf im Detail gestaltet.

Soweit ein Ritt durch die Wochengewinner. Sie sehen, überall gab es positive Entwicklungen, die diese Woche zu einzelnen Kurssprüngen geführt haben. Negative Entwicklungen, die es auch gab, wurden nicht gesehen. Ich bin gespannt, wie lange das so weitergehen kann.

Schauen wir uns mal die Entwicklung der wichtigsten Indizes im Wochenvergleich an:

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES


INDIZES9.10.20Woche ΔΣ '20 Δ
Dow Jones28.587 3,6%-0,2%
DAX13.051 3,3%-1,5%
Nikkei23.620 2,6%-0,2%
Shanghai A 3.429 1,7%7,7%
Euro/US-Dollar1,181,0%5,7%
Euro/Yen124,901,2%2,2%
10-Jahres-US-Anleihe0,78%0,08-1,16
Umlaufrendite Dt-0,55%-0,03-0,32
Feinunze Gold$1.929 1,2%27,6%
Fass Brent Öl$42,81 8,7%-37,8%
Kupfer6.740 3,0%8,5%
Baltic Dry Shipping1.892 1,2%73,6%
Bitcoin11.213 5,9%53,8%



Auch der Ölpreissprung (+8,7%) zeugt von der neuen Hoffnung auf ein weiteres US-Konjunkturpaket.




03. Sentiment: Exzessive Spekulation ist ein Warnzeichen

Mit einem DAX-Kursgewinn von 3% im Rücken steigt natürlich die Laune der Anleger. So ist das Aktiensentiment unter unseren Umfrageteilnehmern von -2,4 in der Vorwoche auf +1,9 in dieser Woche angesprungen. Die moderat schlechte Laune der Vorwoche hat sich also in vorsichtig gute Stimmung gekehrt.

Auch die Verunsicherung der Vorwoche (-3,1) ist vor dem Hintergrund der steigenden Kurse verflogen (+0,7). Selbstsicherheit ist das noch lange nicht, aber immerhin schwindet die Verunsicherung, die seit vielen Wochen vorherrschte.

Doch trotz der guten Entwicklung geht die Erwartungshaltung der Anleger zurück (von +2,2 auf nur noch +1,7): Die Bullen dominieren zwar das Geschehen, doch das Lager der Bären erhält mit steigenden Kursen Zulauf. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die vermeintlichen Gründe für die steigenden Kurse Anleger nicht wirklich überzeugen.

Dennoch bleibt die Investitionsbereitschaft mit 2,4 auf einem moderat positiven Niveau. Weiterhin suchen Anleger nach attraktiven Aktien, die sie in ihr Depot holen wollen.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist diese Woche wieder auf ein neutrales Niveau zurück gekommen. Hatten sich in der Vorwoche noch einige Privatanleger mit Call-Optionsscheinen für steigende Kurse positioniert, so wurden diese bullischen Spekulationen diese Woche wieder aufgelöst.

Bei den Profis, die gerne mit Optionen spekulieren, sieht es hingegen ganz anders aus: Die Absicherungspositionen der Vorwoche wurden aufgelöst, das Put/Call-Verhältnis von 1,2 deutet auf leicht bullische Positionierungen der Profis.

In den USA notiert das Put/Call-Verhältnis der CBOE seit Wochen auf extrem niedrigem Niveau, was eine stark optimistische Positionierung der dortigen Anleger bedeutet. Dies bleibt auch diese Woche so: Vorsicht ist also bei US-Kursen ratsam.

Insbesondere geschlossene Fonds wie beispielsweise Hedgefonds ermöglichen ihren Anlegern stets zum Wechsel in das vierte Quartal, Kapital aus dem Fonds abzuziehen. Daher wird Ende September die Cashquote hochgefahren, um entsprechende Wünsche bedienen zu können. Nun wird das Kapital wieder angelegt, die Investitionsquote ist um 15% auf 73% angestiegen.

In den USA dominieren unter den Privatanlegern die Bären (-4%), was im Gegensatz zum Put/Call-Verhältnis der CBOE steht.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit 55% eine neutrale Verfassung. Ganz anders sieht es beim wesentlich stärker schwankenden Short Range Oscillator aus, der mit einem Wert von 7% eine stark überkaufte Marktverfassung ausweist. Wie von mir in Kapitel 02 beschrieben wurden negative Meldungen nicht wahrgenommen. Der Kaufdruck in den vergangenen Tagen war so hoch, dass zumindest kurzfristig eine Korrektur fällig ist.

Interpretation



In Deutschland zeigen die Sentiment-Daten insgesamt noch keine bedrohliche Situation. Ich würde die Situation hier als überwiegend neutral einstufen. Wenn wir weitere Sentiment-Daten meiner Umfrage berücksichtigen, ergibt sich ein etwas klareres Bild: Die Cashquote ist sowohl bei institutionellen als auch privaten Anlegern extrem hoch. Gleichzeitig geben beide Gruppen, insbesondere jedoch die Profis eine hohe "Überinvestition" an. Diese auf den ersten Blick widersprüchliche Aussage ist dadurch möglich, dass man mit gehebelten Finanzprodukten, wie beispielsweisen Optionen, viel stärker an Bewegungen der Kapitalmärkte teil hat, als durch das eigene Kapital eigentlich abgebildet würde.

Sprich: Viele Anleger sitzen auf hohen Cashbeständen, mit denen sie weiterhin auf günstige Kaufgelegenheiten warten, während sie mit kleinen Beträgen zocken.

Es fehlt also die Basis am Aktienmarkt, der langfristig orientierte und überzeugte Anteilseigner am Unternehmen, während die tagesaktuellen Kursschwankungen immer stärker durch Spekulanten bestimmt werden. Vor diesem Hintergrund ist der Kursanstieg dieser Woche keine neue Richtung, sondern bestenfalls eine Momentaufnahme über die erwartete kurzfristige Schwankung.

Denn in dem Augenblick, in dem die Kurse aufgrund welcher Meldung auch immer abzubröckeln beginnen, werden die spekulativen Positionen ins Gegenteil umgekehrt, was im Handumdrehen zu deutlich niedrigeren Kursen führen kann. Wenn ich mir nun die Verfassung der US-Börse anschaue, wie sie durch den Short Range Oscillator dargestellt wird, so ist zum Beginn der kommenden Woche ein Rücksetzer nur durch eine positive Meldung vermeidbar.

Nachhaltig steigende Kurse sind auf dieser Basis schwer erzielbar, es bräuchte schon eine extrem bullische Nachricht - wie bspw. ein weiteres US-Konjunkturpaket -, um Spekulanten davon abzuhalten, bei weiteren Kursgewinnen Gewinne einzusacken. Wahrscheinlicher ist es, dass bald Gewinnmitnahmen einsetzen, sofern keine bullische Meldung kommt.

Ziemlich pessimistischer Ausblick, gell? Hmm, wenn wir uns die moderat optimistische Erwartungshaltung in Erinnerung rufen, würde ich einen Rücksetzer, eine Korrektur oder wie auch immer Sie so etwas nennen wollen, als Kaufgelegenheit werten.










04. Ausblick: Meine beiden Wasserstoff-Favoriten: Solide & Spekulativ

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05. Übersicht HT-Portfolio

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Im Wochenverlauf habe ich zu mehreren Titeln Anmerkungen im Kundenbereich der Webseiten verfasst.

Die tabellarische Übersicht bleibt den zahlenden Abonnenten des Heibel-Ticker PLUS vorbehalten.

Die dritte Spalte zeigt die Schlusskurse von Donnerstagabend. Unter „Woche“ steht die Veränderung im Vergleich zur Vorwoche. Unter „2014“ steht das Ergebnis der Position seit Jahresbeginn bzw. seit Aufnahme ins Portfolio. Unter „Anteil“ finden Sie den Anteil der jeweiligen Position am Gesamtdepot.

Unter ! steht zur Information meine Grundtendenz:
Kbei Gelegenheit Kaufen, 
NKNachkaufen 
HHalten, 
Vbei Gelegenheit Verkaufen, 
TVTeilverkauf, also nicht die ganze Position 
VLVerkaufslimit, bei überschreiten eines bestimmten Kurses sollte verkauft werden 
SLStopp Loss, bei Unterschreiten eines bestimmten Kurses sollte verkauft werden 
TSTrailing Stopp, wie SL, nur dass das Limit kontinuierlich nachgezogen wird 



Die „Gelegenheit“ zum Kaufen oder Verkaufen wird sodann kurzfristig von mir per Update an Sie bekanntgegeben.

Ich habe diese Spalte „!" insbesondere für neue Kunden vorgesehen, die zu einem späteren Zeitpunkt wissen wollen, ob ich die Position noch zukaufen würde, wenn ich beispielsweise darin nicht schon voll investiert wäre. Zukaufen würde ich jeweils jedoch niemals zu Höchstkursen, sondern stets nur nach kurzfristigen Kursrückschlägen von mindestens 5-7%.

Kauffolge: Je spekulativer, desto aggressiver würde ich kaufen und verkaufen. Derzeit verwende ich die folgenden Schritte:

Value Positionen in drei Schritten aufbauen: 25%-25%-50%,

Spekulative und alternative Positionen in zwei Schrittenaufbauen: 50%-50%,

Tradingpositionen ganz oder gar nicht: 100%.

Stopp Loss Limits, Verkaufslimits und ähnliche Aktionsmarken verwalte ich aktiv in meinem System und ändere ich unter der Woche mehrfach, fast täglich. Eine Veröffentlichung der entsprechenden Limits ist in der Regel nicht sinnvoll, allenfalls Stopp Loss Marken werde ich bisweilen im Text bekanntgeben.

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Von seinen Fähigkeiten, komplizierte Zusammenhänge verständlich darzustellen, können Sie sich mit diesem Heibel-Ticker Standard überzeugen. Wenn Sie allerdings seine Schlussfolgerungen und Empfehlungen erfahren möchten, dann sollten Sie sich einmal um den Heibel-Ticker PLUS kümmern.

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Stephan Heibel
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Quellen:
Kurse: Deutsche Kurse von comdirect.de, Goldbarren & Münzen von proaurum.de, US-Kurse von finance.yahoo.com. Alle Kurse sind Schlusskurse vom Donnerstag sofern nichts Gegenteiliges vermerkt ist.
Bilanzdaten: Comdirect, Yahoo! Finance sowie Geschäftsberichte der Unternehmen
Informationsquellen: dpa-AFX, Aktiencheck, Yahoo! Finance, TheStreet.com, IR-Abteilung der betreffenden Unternehmen



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